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05.03.2009

Nicht verzweifeln: Was bei unerfülltem Kinderwunsch helfen kann

Es ist zum Verzweifeln: Viele Freunde, Verwandte und Arbeitskollegen haben Kinder, und auch in der Werbung strahlen zahlreiche kleine Wonneproppen um die Wette. Doch der eigene Wunsch nach Kindern bleibt unerfüllt, die Versuche mit dem Partner scheitern seit Monaten kläglich. Das ist kein Einzelfall: Während in Deutschland jedes Jahr rund 680 000 Babys geboren werden, bleiben Experten zufolge etwa 15 Prozent der Paare ungewollt kinderlos - Tendenz steigend.

„Ein unerfüllter Kinderwunsch ist eine enorme Belastung für die betroffenen Männer und Frauen", sagt Anke Rohde von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN). Die Ärztin leitet den Bereich Gynäkologische Psychosomatik am Universitätsklinikum Bonn. Das Selbstbewusstsein könne unter dem Eindruck des «Nichtfunktionierens» und dem Kontrollverlust über die Lebensplanung erheblich leiden. „Hinzu kommen teilweise Probleme in der Partnerschaft, insbesondere als Begleiterscheinung der teils ausgeprägten psychischen Belastungen der Behandlung, die von Frauen und Männern oftmals ganz unterschiedlich verarbeitet werden."

Viele Paare denken in diesen Situationen deswegen schnell an eine künstliche Befruchtung in spezialisierten Kliniken. Doch Christian Albring, der Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte in München, warnt davor, diesen Weg zu früh zu gehen. „Es gibt zahlreiche andere Möglichkeiten, die man zuerst ausprobieren kann."

Der erste Schritt hört sich fast banal an, ist aber durchaus effektiv: „Am besten beobachtet die Frau ihren Zyklus genau, damit man abhängig von der individuellen Zykluslänge ermitteln kann, wann der Eisprung stattfindet", sagt der in Hannover tätige Gynäkologe Albring. „Es kommt nämlich häufig vor, dass Paare sagen «"Wir probieren schon lange», dabei aber nicht bedenken, dass sie nach einem Arbeitstag oft keine Lust mehr auf Sex haben und den Termin verpassen oder sogar nur eine Wochenendbeziehung führen."

Entscheidend ist folglich der Geschlechtsverkehr in den Tagen um den Eisprung der Frau - nur dann kann es mit der ersehnten Schwangerschaft klappen. Dabei ist aber darauf zu achten, vorher nicht zu häufig Sex miteinander zu haben, da es drei Tage dauert, bis beim Mann die optimale Spermienzahl gebildet wird. „In der fraglichen Zeit sollte man dann jeden zweiten Tag Verkehr haben", rät Albring.

Ist diese Methode nicht erfolgreich, kann der Frauenarzt per Ultraschall überprüfen, ob überhaupt Eibläschen vorhanden sind. „Wenn man das kurz vor dem Eisprung jeden Tag untersucht, kann man außerdem messen, wie das Bläschen wächst und ob es überhaupt platzt", sagt er. Dieser Weg eigne sich daher ebenfalls gut, um die fruchtbaren Tage genau zu erkennen und die Chancen auf Erfolg zu optimieren.

„Wenn nach einigen Versuchen der Erfolg ausbleibt, kann der Gynäkologe die Durchlässigkeit der Eileiter prüfen sowie bei der Frau eine Hormonanalyse und beim Mann ein Spermiogramm erstellen", sagt Albring. Damit kann festgestellt werden, ob bei der Frau bestimmte Hormonkonzentrationen nicht stimmen - zum Beispiel zu viel männliche Hormone vorliegen - und ob der Mann ausreichend gutes Sperma hat.  

Diese Schritte können alle noch beim Frauenarzt unternommen werden. Bei verheirateten Paaren übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Ist dann allerdings noch immer kein Nachwuchs unterwegs, kann möglicherweise eine der zahlreichen Kinderwunschkliniken weiterhelfen. „Wir versuchen beispielsweise, den Zyklus mit Hilfe von Hormonen zu stimulieren und somit zu optimieren", sagt Christian Friedrich Stoll vom Kinderwunschzentrum Berlin.

Sind beim Mann zwar Spermien vorhanden, aber laut dem Spermiogramm in der Qualität, Funktionsfähigkeit oder Beweglichkeit eingeschränkt, helfen Kinderwunschkliniken auch mit der sogenannten Insemination. Dabei werden die besten Samenzellen mittels eines kleinen Schlauches direkt in die Gebärmutterhöhle eingebracht, erklärt Stoll.

Eine weitere Möglichkeit, zum Beispiel bei einem Eileiterverschluss der Frau, ist die In-vitro-Fertilisation (IVF). „Dazu werden Eizellen entnommen und in einem Reagenzglas mit Samenzellen des Mannes zusammengeführt", erläutert der Mediziner. Ist die Samenqualität dafür zu schlecht, können sie auch direkt in die Eizelle injiziert werden. Diesen Vorgang nennt man Intrazytoplasmatische Spermieninjektion, kurz ICSI. In beiden Fällen werden die befruchteten Eizellen in die Gebärmutter zurückübertragen.

Diese Versuche sind allerdings nicht wirklich preiswert. Gesetzlich versicherte Frauen müssen verheiratet und dürfen nicht älter als 40 Jahre sein, damit ihre Krankenkassen zumindest die Hälfte der Kosten übernehmen. Ist das der Fall, erhalten Paare für insgesamt drei Versuche einen Zuschuss der Krankenkasse für eine Insemination von bis zu 500 Euro, für eine IVF bis zu 1400 Euro und für eine ICSI bis zu 1800 Euro.

Erfolgreich ist das aber nicht immer, wie mehrere Studien belegen. „Die Wahrscheinlichkeit, durch sogenannte künstliche Befruchtungsverfahren wie IVF oder ICSI schwanger zu werden, liegt im Durchschnitt bei 30 Prozent", sagt Albring. Damit geht nur für jedes dritte Paar der Kinderwunsch auch tatsächlich in Erfüllung.

Stress schadet Kinderwunsch
„Unabhängig von allen medizinischen Versuchen muss man sich klar machen, dass Stress eine Schwangerschaft verhindert", sagt Christian Albring vom Berufsverband der Frauenärzte. Das habe einen natürlichen Sinn: Schwangere Frauen wären vor Jahrhunderten zu schwach für lebensnotwendige Belastungen wie längere Wanderungen zu nahrungsreicheren Gebieten gewesen. Deswegen signalisiert das Gehirn bei Stress jeder Art dem Körper noch heute, nicht schwanger zu werden.

Quelle: dpa (von Aliki Nassoufis)



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