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04.02.2009

Weltkrebstag: Gewichtsverlust kann Anzeichen für eine Krebserkankung sein

Ungewollt und häufig bei Krebserkrankungen: GewichtsverlustFalsche Ernährung, zu wenig Bewegung und Übergewicht sind für rund ein Drittel aller Krebserkrankungen in Deutschland verantwortlich. Darauf hat die Deutsche Krebshilfe in Bonn anlässlich des Welt-Krebstages an diesem Mittwoch (4. Februar) hingewiesen. Aber auch, wer nach und nach unfreiwillig zu wenig Pfunde auf die Waage bringt, kann in Gefahr sein. «Bei einigen Krebserkrankungen wie Darm-, Nieren- oder Lungen-Tumoren ist Gewichtsverlust eines der ersten Symptome: Wenn die Tumore wachsen, entziehen sie dem Körper so viele Nährstoffe, dass es zum Gewichtsverlust kommt», erklärt Krebshilfe-Sprecherin Eva Kalbheim.
Sie empfiehlt deshalb, regelmäßig Vorsorge-Untersuchungen zu nutzen.

Wer trotz gleichbleibender Lebensumstände ungewollt abnimmt, sollte direkt den Arzt aufsuchen. «Ihm liefern zunächst weitere unspezifische Symptome wichtige Hinweise: Die Rückenschmerzen lassen an die Niere denken, der morgendliche Husten an die Lunge.» Klarheit bringen dann Blutentnahmen und Ultraschalluntersuchungen.

Doch allzu oft wird der Gewichtsverlust nicht ernst genommen: Wer verliert nicht gerne mal ein paar Kilo, ohne mühsame Diäten zu absolvieren? «Jeder zweite Patient hat schon vor der Diagnose der Krankheit deutlich Gewicht verloren, jeder sechste sogar bereits zehn Prozent seines Körpergewichtes», sagt Jann Arends, Facharzt für Internistische Onkologie an der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg.
Damit fehlen dem Patienten gerade nicht die Fettpölsterchen, auf die jeder gerne verzichtet, sondern wertvolle Zellen, die am Stoffwechsel und am Funktionieren des Immunsystems beteiligt sind.

Selbst wenn der Gewichtsverlust bemerkt wird - es ist schwer, ihn in den Griff zu bekommen. «Im Idealfall kann der Tumor durch einen Eingriff komplett entfernt und damit der Gewichtsverlust gestoppt werden», sagt Kalbheim. Dann geht es darum, den Körper zu stabilisieren und den Verlust wieder auszugleichen.

Doch in vielen Fällen ist der Krankheitsverlauf von weiterem Gewichtsverlust begleitet. «Zum einen verursachen sehr viele Chemotherapeutika Übelkeit, Durchfall und Erbrechen», erklärt Matthias Pirlich, Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie an der Universitätsklinik Charité in Berlin. Zwischen zwei Therapieeinheiten hat der Körper dann nicht genug Zeit, um sich zu erholen. Er ist jedes weitere Mal geschwächter als beim vorigen Mal.

Außerdem wird eine Chemotherapie häufig von akuten Entzündungen der Schleimhaut zum Beispiel in Mund und Rachen begleitet. Je nach Tumorart kommen krankheitsspezifische Probleme hinzu. «Bei
Speiseröhren- oder Halstumoren ist der Weg, den die Nahrung passieren muss, verengt», sagt Pirlich. Die Nahrungsaufnahme bereite folglich starke Schmerzen. Tumore der Bauchspeicheldrüse wiederum seien von Appetitlosigkeit begleitet. Außerdem bilde der Tumor Eiweißmoleküle, die unkontrollierbaren Muskelabbau bewirken.

Auch wenn es bislang wenige Studien dazu gibt - die Fachmediziner gehen davon aus, dass der Gewichtsverlust gravierende Folgen für die Therapie hat: «Zum einen muss die Dosis der Medikamente an das geringere Körpergewicht angepasst werden», erläutert Arends. Das verlängert die Therapie und damit die Belastung für den Patienten.
«Es gibt Hinweise darauf, dass Patienten mit starkem Gewichtsverlust unter deutlich mehr Nebenwirkungen leiden, dass die Therapie häufiger abgebrochen werden muss und dass der Tumor schlechter anspricht.» Zudem versterbe jeder zweite Tumorpatient heute an einer Infektion.
Und Infektionen würden erheblich durch Mangelernährung und durch Schwächung des Immunsystems begünstigt.

Gründe genug, dem Gewichtsverlust so früh wie möglich entgegenzuwirken. Zum einen gilt es, die Ernährungsgewohnheiten zu verändern. «Durch kalorien- und eiweißreiche Nahrung kann der Organismus gestärkt werden», rät Kalbheim. Der Körper verarbeitet Fett besonders gut, deshalb sind Sahne und Butter wichtige Zutaten.
«Bei vielen Patienten verändert sich das Geschmacksempfinden», ergänzt Arends. Alte Gewohnheiten dürfen und müssen umgeworfen werden. Schließlich isst jeder eher ein bisschen mehr, wenn es schmeckt. Zusätzlich erleichtern viele kleine, über den Tag verteilte Portionen und eine weichere Konsistenz die Nahrungsaufnahme.

Ergänzend ist die Hilfe der Medizin gefragt. «Während der Chemotherapie können parallel Medikamente verabreicht werden, die die Übelkeit reduzieren», sagt Pirlich. Auch Faktoren, welche die Nahrungsaufnahme hemmen, wie Schleimhautentzündungen, können gelindert werden. Notfalls müsse über Trinknahrung oder künstliche Ernährung mittels einer Magensonde nachgedacht werden.

Quelle:dpa



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