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06.08.2008

Das 1. Retortenbaby der Welt wird 30 - Zukunftsvisionen der Reproduktionsmedizin

Das britische Wissenschaftsjournal «Nature» (Bd. 454, S. 260) hat zum 30. Geburtstag von Louise Künstliche Befruchtung einer EizelleBrown (25. Juli) renommierte Reproduktionsmediziner befragt, was sie von den nächsten 30 Jahren erwarten. Der Entwicklungsbiologe Davor Solter hält es demnach für möglich, dass Menschen künftig in jedem Alter Kinder haben können. Spermien und Eizellen könnten dazu über normale Körperzellen gewonnen werden, die zuvor zu einer Art embryonaler Stammzellen zurückprogrammiert wurden. „Neugeborene Kinder können Kinder haben, und Hundertjährige können Kinder haben", sagt der Forscher vom Institut für medizinische Biologie in Singapur. „Das kann in den nächsten 30 Jahren leicht passieren."

Zumindest wird es möglich sein, die fruchtbare Zeit der Frauen zu verlängern, glaubt einer der Pioniere der Reagenzglasmethode, Alan Trounson. Auch dafür könnten Eizellen dienen, die aus zurückprogrammierten Körperzellen gewonnen werden, erläutert der Direktor des Instituts für Regenerative Medizin in San Francisco (US- Staat Kalifornien). Das werfe allerdings zahlreiche ethische Fragen auf. Zudem könnte es die Möglichkeit geben, genetische Fehler bei Reagenzglaskindern noch im Embryostadium zu korrigieren.

Überhaupt werde wahrscheinlich schon bald „jede Information über jedes Gen" bei Retortenbabys zugänglich, meint Susannah Baruch von der Johns Hopkins Universität in Washington. Die Frage sei jedoch, was Eltern damit anfangen sollten. „Kein einzelnes Gen prognostiziert blondes Haar oder Schlankheit oder Körpergröße - oder was immer das "perfekte Baby" ausmacht", betont die Direktorin für Reproduktionsgenetik.

„Designer-Babys" erwartet sie daher nicht. Ein Embryo habe vielleicht drei Gene, die mit großer Körpergröße in Verbindung stünden, aber auch zwei für schlechte Augen sowie das eine oder andere Krankheitsgen. „Niemand von uns ist ein perfektes Exemplar, und auch keiner unserer Embryonen wird eines sein", sagt Baruch.

Dennoch könnten einzelne Menschen versuchen, Nachwuchs klonen zu lassen, fürchtet der Stammzellbiologe Miodrag Stojkovic. „Nach meinem Wissen versuchen einige Leute bereits das reproduktive Klonen", sagt der Wissenschaftler vom Prinz-Felipe-Forschungszentrum im spanischen Valencia. Er hält die Geburt des weltweit ersten Klonbabys schon bald für möglich und kritisiert, dass es in einigen Ländern noch immer kein Gesetz gegen die „sehr, sehr schädliche" Technik gebe.

Werden Kinder also künftig vor allem im Labor gezeugt? Baruch glaubt nicht an einen Boom der Reagenzglasbefruchtung: „Die In-vitro-Fertilisation ist teuer und unbequem. Der altmodische Weg ist billiger und macht mehr Spaß - und das wird sich in 30 Jahren nicht ändern."

Quelle: dpa



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