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29.07.2008

Eierstockkrebs – eine besondere Herausforderung an Diagnose und Therapie

Eierstockkrebs - nur selten eine frühe DiagnoseJährlich erkranken in Deutschland rund 8.000 Frauen an Eierstockkrebs - dem Ovarialkarzinom. Etwa 10 Prozent der Frauen sind jünger als 45 Jahre. Von den Tumoren der weiblichen Genitalorgane ist der Eierstockkrebs besonders gefürchtet, weil er im Frühstadium keine Beschwerden verursacht und - außer einem regelmäßigen Vaginalultraschall - sichere Vorsorgemöglichkeiten fehlen. Da etwa 70% der Erkrankungen erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert werden, zählt das Ovarialkarzinom zu den bösartigen Geschwulstleiden mit den höchsten Sterberaten (Mortalitätsraten). Daher sind moderne Therapien sowie die Minderung der Rückfälle (Rezidive) eine besondere Herausforderung an die Medizin, um die ungünstige Prognose zu verbessern.

Die Eierstöcke - ein Überschussmodell der Natur

Der paarige Eierstock der Frau liegt an der linken und rechten seitlichen Wand des kleinen Beckens. Bis zum 5. Schwangerschaftsmonat enthalten die Eierstöcke eines weiblichen Embryos 7 Millionen Eizellen. Die meisten sterben ab, sodass zum Zeitpunkt der Geburt noch etwa 2 Millionen und beim Eintritt der Pubertät noch zwischen 200.000 bis 500.000 Eizellen existieren. Während der fruchtbaren Jahre der Frau reifen 400 bis 500 heran und zu Beginn der Wechseljahre sind noch rund 1.000 Eizellen vorhanden. Die Eierstöcke bestehen aus unterschiedlichen Zelltypen. Unter normalen Bedingungen wachsen oder teilen sich die Zellen nur dann, wenn dies der Organismus benötigt. Kommt es zu unkontrollierten Zellteilungen, entsteht überschüssiges Gewebe, das gut- oder bösartig sein kann. Bei Frauen unter 30 Jahren sind Geschwülste der Eierstöcke meistens gutartige mit Flüssigkeit gefüllte Kapseln (Zysten), die spontan entstehen und häufig von selber verschwinden. Verursachen Zysten Beschwerden, entscheidet der Gynäkologe, diese mit Hilfe des Ultraschalls regelmäßig zu beobachten, sie hormonell zu behandeln oder zu entfernen.

Eierstockkrebs ist schwer zu erkennen

Jede Form von Unterleibsbeschwerden sollte gynäkologisch abgeklärt werden.
Während sich das Ovarialkarzinom bildet und wächst, sind keine typischen Symptome zu erwarten. Selbst wenn Unterleibsschmerzen, Druck- und Völlegefühl auftreten, können diese Symptome andere Ursachen haben und werden nicht unbedingt als Zeichen einer bösartigen Erkrankung verstanden. Erst wenn Durchfälle und Verstopfung, Gewichts- und Appetitverluste sowie häufiges Wasserlassen auf das Fortschreiten des Tumors hinweisen, weil dieser auf Blase und Darm drückt, werden die Beschwerden von der Patientin ernst genommen. Außerdem können Blutungen und Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum (Aszites) auf das Krankheitsbild hinweisen. In diesem Fall kann das Ovarialkarzinom bereits Krebszellen auf den Dickdarm, das Bauchfell und den Magen absiedeln, in das Lymphsystem vordringen und über den Blutkreislauf zu entfernten Organen gelangen. Findet eine Metastasierung statt und greift der Eierstockkrebs z.B. auf den Dickdarm über, ist dies kein Dickdarmkrebs sondern ein metastasierender Eierstockkrebs, denn die Krebszellen entsprechen dem ursprünglichen Tumor.

Was begünstigt ein Ovarialkarzinom?

Die Ursachen des Eierstockkrebs sind noch weitgehend unbekannt. Umwelt- und Genussgifte, Fehlernährung, Bewegungsarmut und Übergewicht sowie andere negative Auswirkungen des Lebensstils bieten keine relevanten Hinweise für das Entstehen des Krebsleidens. Auffällig sind jedoch ganz natürliche Abläufe, die jeder Frau eigen sind: Der Menstruationszyklus. Ruht der Eierstock wegen der Einnahme der Pille oder einer Schwangerschaft, werden die Eireifung und Ovulation über Monate zuweilen auch Jahre unterdrückt. Im Gegensatz dazu stellen häufige fruchtbare Zyklen ohne den Eintritt einer Schwangerschaft den bisher höchsten bekannten Risikofaktor dar. Das heißt, die Einnahme der Pille bietet nicht nur Schutz vor einer Schwangerschaft, sondern sie kann auch das Risiko des Eierstockkrebs ebenso mindern wie eine oder mehrere Schwangerschaften. Weitere Risiken sind das zunehmende Alter (Frauen über 60 sind am meisten betroffen) und Brustkrebspatientinnen erkranken häufig zu einem späteren Zeitpunkt. Litten die Mutter, Großmutter oder andere nahe Verwandte an Eierstockkrebs, wird von einer familiären Disposition gesprochen, die es zu beachten gilt.

Diagnosemethoden

Eine der Möglichkeiten zur Erkennung des noch symptomfreien Ovarialkarzinoms, ist die regelmäßige Beckenuntersuchung. Diese gilt aber nicht als absolut aussagefähig. Darum wird nach verlässlicheren Methoden gesucht, um das Frühstadium zu erkennen, bevor der Tumor über den Eierstock hinausgewachsen ist. Ebenso kommen Ultraschall und/oder Computertomographie sowie die Bestimmung des Tumormarkers CA-125 im Blut in Frage. Letzterer ist jedoch nicht verlässlich nachweisbar und selbst bei gutartigen Eierstockerkrankungen vorhanden. Das heißt: Die Blutanalyse kann eine umfassende ärztliche Diagnose nicht ersetzen. Die sicherste Maßnahme zur Erkennung eins Ovarialkarzinoms ist eine Biopsie, die operative Entnahme von Gewebe.

Behandlungsmöglichkeiten

Liegt ein positiver Befund vor, wird im Allgemeinen im Rahmen des ersten Schrittes die Entfernung der Eierstöcke, Eileiter, der Gebärmutter sowie der benachbarten Lymphknoten vorgenommen. Weitere Gewebeproben geben Aufschluss über die Verbreitung des Tumors. Auf dieser Grundlage erfolgt die Planung der Behandlungsstrategie, wobei das Stadium der Erkrankung, der Allgemeinzustand und das Alter der Patientin berücksichtigt werden. Liegt ein langsam fortschreitender kleiner Tumor vor und besteht bei der Patientin ein Kinderwunsch, wird lediglich der vom Krebs befallene Eierstock entfernt. Bei einer Verbreitung des Krebses wird so viel wie möglich von der Tumormasse entfernt, um im Anschluss daran eine Strahlen- und/oder Chemotherapie einzuleiten. Die Planung und Durchführung der weiteren Behandlung sollte mit der Patientin und ihren Angehörigen ausführlich abgesprochen werden. Dabei dürfen Hinweise auf mögliche Nebenwirkungen und die Einschränkung von Aktivitäten nicht verschwiegen werden.

Die Ärztinnen und Ärzte des Berufsverbandes der Frauenärzte stehen ihren Krebspatientinnen mit Empathie zur Seite. Jede Frau sollte sich über Fragen und Ängste mit dem Arzt ihres Vertrauens austauschen, Beschwerden unverzüglich mitteilen und sich bei den Nachuntersuchungen an den ärztlichen Rat halten.

Quelle: http://www.bvf.de/ (von Maria-E. Lange-Ernst)



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