Die Uni-Frauenklinik Heidelberg erprobt seit kurzem mit zwei Kliniken für Geburtsmedizin und sieben niedergelassenen Gynäkologen die Einführung eines elektronischen Mutterpasses (eMP). Dabei wird der klassische Papier-Mutterpass um eine elektronische Version ergänzt. "Ziel des Pilotprojektes ist, zu überprüfen, ob die elektronische Darstellung von Patientendaten Vorteile bei der Schwangerenversorgung mit sich bringt. So zum Beispiel, ob der Informationsaustausch zwischen den teilnehmenden Krankenhäusern und Praxen durch die digitale Dokumentation verbessert wird", erklärt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF). Das Projekt ist für die Dauer von 12 bis 15 Monaten angelegt und rund 200 Schwangere sollten daran teilnehmen.
Im elektronischen Mutterpass bzw. der zugehörigen Gesundheitsakte können Untersuchungen weit ausführlicher dokumentiert werden als mit dem herkömmlichen Pass. Dabei verwenden die beteiligten Personen eine bestimmte Software, um die gesundheitsrelevanten Informationen in die Gesundheitsakte der Patientinnen übertragen und auslesen zu können. Um den Erfolg des Programms zu überprüfen, wird das Projekt von einem Forschungs- und Beratungsinstitut begleitet.
Alles Wichtige zur Schwangerschaft und Geburt auf einen Blick
Der Papier-Mutterpass hat sich seit seiner Einführung 1961 als fester Bestandteil der Schwangerenvorsorge bewährt. Sobald eine Schwangerschaft beim Frauenarzt festgestellt wird, erhält die werdende Mutter das blaue Heft. In dem Dokument werden sämtliche relevanten Informationen zur Schwangerschaft bis über die Geburt des Kindes hinaus vermerkt. Zum Beispiel werden von der Mutter die Blutgruppe und der Rhesus-Faktor sowie Untersuchungsergebnisse zum Status von Infektionskrankheiten vermerkt. Auch der Zustand des Babys wie dessen Gewicht, Lage und Größe werden dokumentiert. „Der Mutterpass unterstützt Ärzte und Hebammen dabei, den Verlauf der Schwangerschaft und mögliche Risiken zu protokollieren. Auch bei medizinischen Notfällen liefern die Aufzeichnungen den Ärzten wichtige Informationen, da eine Schwangere den Pass stets bei sich tragen sollte", ergänzt der niedergelassene Gynäkologe.
Mit dem elektronischen Mutterpass soll die Schwangerenvorsorge moderner gestaltet werden und dazu beitragen, Risiken und Komplikationen zu verringern. „Ärzte und Kliniken wird der Einblick in die vollständigen Untersuchungsergebnisse und Therapien sowie Aufzeichnungen anderer beteiligter Stellen möglich, was von erheblichem Vorteil sein kann. Wir sind gespannt, ob sich das Projekt in der Praxis bewährt", fügt Dr. Albring abschließend hinzu. „Voraussetzung für die Einführung eines elektronischen Mutterpass ist auch, dass die Datensicherheit gewährleistet werden kann. Nur mit Zustimmung der Schwangeren können ihr Frauenarzt und anderes medizinisches Fachpersonal die Daten einsehen."