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18.07.2008

Hormonersatztherapie: Individuelle Therapieplanung steht im Vordergrund

Heutzutage kann die Hormonersatztherapie wesentlich gezielter eingesetzt und individueller zugeschnitten werden als noch vor wenigen Jahren. Kontinuierliche Forschungsaktivitäten zur Anwendung der Hormonersatztherapie (HRT) bei Wechseljahresbeschwerden geben Ärzten immer konkretere Informationen an die Hand, um ihre Patientinnen bedarfsgerecht zu behandeln. "Die aktuelle wissenschaftliche Diskussion zu Nutzen und Risiken der HRT schärft zudem das Bewusstsein um die Bedeutung einer individuell angepassten Therapie von Wechseljahresbeschwerden", meint Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF). „Die Studien der letzten Jahre haben neben dem Nutzen der HRT auch verschiedene Risiken aufgezeigt, die zwar einerseits zu Verunsicherung von Patientinnen und Ärzten geführt haben. Andererseits kristallisieren sich aber zunehmend Fakten heraus, welche eine Basis für individuelle Therapieüberlegungen sind, die sich noch stärker an den unterschiedlichen medizinischen Ansprüchen der Patientin orientieren können."

So wurden verschiedene Risiko-Konstellationen deutlich, die nunmehr besser eingeschätzt und in der Therapie stärker berücksichtigt werden können. Die medizinischen Risikofaktoren und Vorerkrankungen - wie beispielsweise Übergewicht, Arteriosklerose oder Bluthochdruck - können definierter in die Behandlungsplanung einbezogen werden. Ebenso können die unterschiedlichen Präparate gezielter angewendet werden. „So viel Ernüchterung und Diskussionsbedarf die Studienlage im ersten Moment geweckt hat, sie eröffnet uns die Chance, Risiken zu erkennen und diese durch individuelle Therapieentscheidungen zu verringern, um einen bestmöglichen Nutzen der Behandlung mit Hormonen zu gewährleisten", fügt der Gynäkologe hinzu.

Nutzen überwiegt bei frühem Beginn
Fest steht, dass Wechseljahresbeschwerden wie nervöse Unruhe, Hitzewallungen, Schlafstörungen und andere typischen Symptome, welche die Lebensqualität von Frauen teilweise erheblich beeinträchtigen, durch eine Hormonersatztherapie ursächlich schnell und effektiv behandelt werden können. Auf der anderen Seite existieren - wie bei fast allen medikamentösen Behandlungen - verschiedene Risiken, die eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung notwendig machen.

In der Vergangenheit haben sich verschiedene Konstellationen herauskristallisiert, bei denen eine Hormonbehandlung einen deutlichen Nutzen hat oder aber nur in Ausnahmefällen in Erwägung gezogen werden sollte. So ist belegt, dass eine Therapie bei ausgeprägten Beschwerden allgemein einen besonders großen Nutzen hat, wenn sie früh, mit dem Eintritt der Wechseljahre, begonnen wird. „Bei frühem Beginn konnten neben der Linderung der Wechseljahresbeschwerden verschiedene Zusatzwirkungen beschrieben werden, die einen günstigen Einfluss auf den weiblichen Organismus haben. Unumstritten ist beispielsweise der präventive Einfluss auf Osteoporose, der umso ausgeprägter ist, je früher die Behandlung beginnt. In einigen Studien wurde deutlich, dass das Risiko für koronare Herzerkrankungen (z.B. Arteriosklerose, Herzinfarkte) und für die Demenzerkrankung Morbus Alzheimer bei gesunden Frauen sinkt, die vor dem 60. Lebensjahr mit dem Hormonersatz beginnen. Im Rahmen der Woman´s Health-Initiative-Studie (WHI) zeigte sich beispielsweise, dass das Infarkt-Risiko um 44% und die Verkalkung der Herzkranzgefäße (Arteriosklerose) um 50% gesenkt werden konnte. Diese Wirkungen stellen nur auf Wunsch der Patientin eine Indikation dar, um, vorbeugend eine HRT zu beginnen", erläutert Dr. Albring.

„Wiederum zeigte eine andere Studie, dass Frauen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, hinsichtlich koronarer Herzerkrankungen nicht von einer HRT profitieren. Auch bei Patientinnen, die erst ab dem Alter von 65 Jahren mit Hormonersatz beginnen, wird eine Hormonbehandlung nur ausnahmsweise und unter strenger Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen. Für Patientinnen ab 70 Jahren, so haben es die Studien gezeigt, steht den Vorteilen ein erhöhtes Schlaganfall- und Thrombose-Risiko gegenüber, das sorgfältig ausgeschlossen werden muss."

Individuelle Verschreibung verringert Risiken
Der Zusammenhang zwischen einer Hormonersatzbehandlung und Brustkrebs (Mammakarzinom) wurde in der Vergangenheit tiefergehend untersucht. Dabei versuchte man unter anderem der Frage nachzugehen, ob eine HRT einen Tumor auslöst oder bereits bestehende Tumore in ihrem Wachstum gefördert werden. Auch die Ergebnisse der jüngsten Untersuchung in Deutschland deuten eher auf Letzteres hin. Demnach werden offenbar nur solche Tumoren durch eine HRT in ihrem Wachstum gefördert, deren Zellwachstum durch Hormone stimuliert wird - so genannte Hormonrezeptor-positive Tumoren.

Ein erhöhtes Auftreten von Mammakarzinomen wurde bei diesen Frauen unter länger dauernder Therapie beobachtet. „Dabei wurde auch deutlich, dass sich Nutzen und Risiken von Hormonen hinsichtlich des Brustkrebsrisikos bei Langzeittherapie im Hinblick auf die Darreichungsform und die Art der Gestagene stark unterscheiden können. Beispielsweise scheinen eine alleinige Therapie mit Östrogenen sowie die Kombinationsbehandlung mit Östrogenen und natürlichen Progesteron-Abkömmlingen mit einem geringeren Brustkrebsrisiko einherzugehen als die kombinierte Behandlung mit Östrogenen und synthetischen Gestagenen. Auch innerhalb der synthetischen Gestagene konnten solche mit einem geringen und solche mit mehr Risiken unterschieden werden", erläutert der Präsident des Berufsverbandes. „Zudem gibt es Hinweise, dass die Verabreichung der Östrogene über die Haut günstig ist. Diese Erkenntnisse können wir bei der individuellen Verschreibung berücksichtigen und somit Risiken ein Stück weit verringern."

So wenig wie nötig, so kurz wie erforderlich
Im Vordergrund der Entscheidung für oder gegen eine Behandlung mit Hormonen stehen immer der persönliche Leidensdruck und die Ausprägung der Beschwerden, die gegenüber den individuellen Risiken abgewogen werden. „Letztlich gestaltet sich die Therapie nach den persönlichen Wünschen der Patientin, die sich nach intensiver Aufklärung für oder gegen eine Hormonersatzbehandlung entscheiden muss", sagt Dr. Albring. „Bei der Entscheidung kann ein Vergleich mit anderen Faktoren hilfreich sein, die das Risiko für Herz- oder Krebserkrankungen erhöhen. So steigern starkes Übergewicht, regelmäßiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und Rauchen das Brustkrebsrisiko deutlich mehr als eine Hormonersatzbehandlung - auch das wurde in der Vergangenheit deutlich." Für die Anwendung einer Hormonersatztherapie gilt jedoch grundsätzlich, dass die niedrigste wirksame Dosierung über den individuell erforderlichen Zeitraum eingenommen werden sollte, um Risiken zu minimieren.


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