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17.07.2008

Fitnesstraining geht auch mit Babybauch

Fittness-Training auch in Schwangeschaft günstigNoch vor wenigen Jahren war Schonung das Credo für Schwangere. Sport galt als Tabu. Mittlerweile ist bekannt: Bewegung in der Schwangerschaft verbessert die Gesamtkondition der werdenden Mutter, stärkt ihr Herz-Kreislauf-System und kurbelt die Durchblutung an. „Wenn der Frauenarzt sein Ok gibt, sollten Frauen deshalb auch in der Schwangerschaft Sport treiben", sagt Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) in München.

Wie aktiv werdende Mütter sein dürfen, hängt davon ab, wie die Schwangerschaft verläuft und wie sportlich ihr Alltag vorher war. Ausdauersportarten sind beinah Allzweckwaffen und zudem eine gute Vorbereitung, um im Endspurt der Schwangerschaft nicht außer Puste zu kommen. „Joggen, Wandern, Nordic Walking, Radfahren, Tanzen oder Schwimmen bei einer Wassertemperatur über 20 Grad sind auch für Sportmuffel gut geeignet", sagt Albring.

Beim Schwimmen, Aquajogging, Aquarobic und Co. kommt zum körperlichen Training noch ein weiterer positiver Effekt hinzu. „Das Wasser wird als besonders angenehm empfunden, weil es das Gewicht trägt und die Gelenke entlastet", erläutert Marion Sulprizio, Sportpsychologin in der Abteilung Gesundheitsforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln. Außerdem belegten Studien, dass im Wasser höhere Belastungen möglich sind - ohne dass sich die Herzfrequenz erhöht. „Im Wasser kann man also auch mal richtig Gas geben."

Joggen, Radfahren oder Schwimmen können Frauen natürlich allein. Aber in der Gruppe macht es mehr Spaß. In vielen Schwimmbädern, Volkshochschulen oder Mütterzentren gibt es Angebote gezielt für Schwangere. „Solche Kurse stehen und fallen mit der Qualifikation des Betreuers", sagt Gynäkologe Albring. Daher sollten Interessentinnen vor Beginn nachhaken.

Eine Alternative ist das Fitnessstudio: „Auf dem Laufband, Crosstrainer oder Ergometer wird die Trainingsintensität ganz individuell eingestellt und gleichzeitig die Belastung kontrolliert", sagt Sulprizio. Auch Krafttraining ist erlaubt - nicht für den Bauch, aber für Beine und Arme. Die Gewichte und Widerstände sollten dafür allerdings stark verringert werden.

Nur bedingt empfehlenswert sind Sportarten, die mit plötzlichem Springen oder Hüpfen verbunden sind. Auch solche, die wie Squash schnell einen hohen Kraftaufwand erfordern, eignen sich eher nicht.

Bei wieder anderen Sportarten muss bedacht werden, dass sie für Schwangere ein höheres Verletzungsrisiko bergen - zum Beispiel aufgrund des größeren Körperumfangs, aber auch, weil die Bänder im Fußbereich lockerer sind und die Gefahr des Umknickens und des Sturzes damit steigt. In diese Kategorie gehören Kontaktsportarten wie Ballspiele, aber auch Abfahrtslauf und Bergsteigen. „Das heißt nicht, dass eine leidenschaftliche Volleyballspielerin nun zu Hause bleiben muss", sagt Sulprizio. Aber sie muss sich des erhöhten Risikos bewusst und entsprechend vorsichtig sein.

 „Völlig tabu ist eigentlich nur Tiefseetauchen", sagt Edith Wolber vom Bund Deutscher Hebammen in Karlsruhe. Sie verweist darauf, dass Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft tauchen waren, ein deutlich erhöhtes Fehlbildungsrisiko haben.

Bei jedem Fitness-Training gilt: Extreme Belastungen meiden, einen Gang runter schalten, regelmäßig Pausen machen, viel trinken und auf den Körper hören. „Schwangere laufen außer Konkurrenz. Das heißt auch, dass man sich selbst erlauben darf, weniger Sport zu treiben als früher oder das Leistungsniveau zu reduzieren", sagt Wolber. Wer immer in Bewegung war, kann durchaus auch jetzt dreimal die Woche eine halbe Stunde trainieren. „Bei Sportmuffeln sind eher dreimal 15 Minuten eine Richtlinie", sagt Sulprizio. Wichtiger als die Dauer jeder Trainingseinheit ist allerdings die Regelmäßigkeit.

Mit dem Fortschreiten der Schwangerschaft werden die Einschränkungen größer. „Im letzten Drittel der Schwangerschaft sollte Rückenlage vermieden werden: Sie führt zu Durchblutungsstörungen im Uterus", warnt Wolber. Außerdem kann der dicke Bauch nun auch bei Sportarten hinderlich sein, bei denen er bislang noch nicht im Weg war - etwa beim Radfahren oder Tanzen.

In jedem Stadium der Schwangerschaft ist das eigene Körpergefühl die wichtigste Messlatte. „Sobald Augenflimmern, Atemnot, Kopfweh, Schwindel, Unwohlsein oder Schmerzen auftreten, muss das Training sofort abgebrochen werden", sagt Gynäkologe Albring. Solche Beschwerden sollten dann umgehend mit dem betreuenden Arzt oder der Hebamme besprochen werden.

Wann ist besondere Vorsicht geboten?
Äußerst vorsichtig mit Sport sollten Frauen sein, die Mehrlinge erwarten oder früher schon eine Früh- oder Fehlgeburt hatten. Das gilt auch für alle, die durch eine Kinderwunschtherapie schwanger wurden oder eine Operation am Gebärmutterhals hinter sich haben.

Bedenken gibt es auch bei vorzeitigen Wehen, vaginalen Blutungen und anderen Schwangerschaftskomplikationen sowie bei Diabetes,

Bluthochdruck- und Schilddrüsenerkrankungen und Unter- oder Übergewicht. Diese Frauen müssen ihren Trainingsplan unbedingt mit ihrem Arzt oder ihrer Hebamme absprechen, rät Edith Wolber vom Bund Deutscher Hebammen in Karlsruhe.



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