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08.07.2008

Asthma in der Schwangerschaft erhöht Risiko für kindliche Missbildungen

Asthmatikerinnen, die in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft einen Asthma-Anfall erleiden, riskieren, dass ihr Baby mit einer Missbildung auf die Welt kommt. Davor warnen die Lungenärzte des Bundesverbands der Pneumologen (BdP) unter Berufung auf die Ergebnisse einer aktuellen wissenschaftlichen Studie aus Kanada (veröffentlicht in der Juni-Ausgabe des im Journal of Allergy and Clinical Immunology ).  „Wie die Untersuchung mit 4344 schwangeren Asthmatikerinnen aufgezeigt hat, ist das Risiko für mindestens einen Geburtsdefekt des Kindes um 48 Prozent erhöht, wenn Schwangere ihr Asthma bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel nicht unter Kontrolle haben", erläutert Dr. Michael Barczok, Vorstandsmitglied im BdP und praktizierender Pneumologe im Lungenzentrum Ulm. „Während die durchschnittliche Missbildungsrate in der allgemeinen Bevölkerung zwischen 3 und 6 Prozent liegt, beträgt sie bei Asthmatikerinnen, deren Asthma sich während der Schwangerschaft verschlechtert, rund 13 Prozent. Das liegt daran, dass Atemprobleme bei der Schwangeren zu einem Absinken des Sauerstoffgehalts im mütterlichen Blut führen, über das der Fötus versorgt wird. Je nachdem, wann (d.h. in welchem Entwicklungsstadium des Fötus) und wie gravierend sich ein solcher Engpass bei der Sauerstoffversorgung auswirkt, kann es zu einer Missbildung oder auch mehreren Geburtsfehlern des Kindes kommen. Die meisten beobachteten Missbildungen in der kanadischen Studie betrafen die Muskeln, das Skelett oder das Herz des Kindes. Dieses Risiko lässt sich aber deutlich senken, wenn Asthmatikerinnen ihr Asthma auch während der Schwangerschaft medikamentös unter Kontrolle halten."

Konsequente Asthma-Kontrolle erforderlich
Verständlicherweise wollen werdende Mütter während ihrer Schwangerschaft weitgehend auf Medikamente verzichten. „Das macht aber bei einer chronischen Erkrankung wie Asthma bronchiale aus verschiedenen Gründen gar keinen Sinn", betont Barczok. „Zum einen sind moderne Asthma-Medikamente, wenn sie vorschriftsmäßig eingenommen werden, sicher und werden dem heranwachsenden Kind nicht schaden. Probleme entstehen vielmehr, wenn Asthmatikerinnen ihre Medikamente einfach weglassen und ihr Asthma dann so außer Kontrolle gerät, dass sie starke Atemnot erleiden und zu Notfallmedikamenten (Steroiden) greifen müssen, die in überhöhten Mengen tatsächlich Frucht schädigend wirken können. Hinzu kommt bei schwangeren Asthmatikerinnen zusätzlich das Problem, dass sie infolge der hormonellen Umstellung während der Schwangerschaft noch mehr Asthma gefährdet sind als sonst. Denn das Schwangerschaftshormon Progesteron verstärkt die Entzündungsreaktionen des Körpers und damit auch die Neigung zu Asthma-Anfällen, so dass die Gefahr für solche Anfälle zunimmt. Viel besser ist es daher, das Asthma konsequent von Beginn bis zum Ende der Schwangerschaft medikamentös optimal einzustellen und regelmäßig zu kontrollieren, um Verschlechterungen der Atemwegserkrankung bis hin zu Asthma-Anfällen auszuschließen, die sowohl für die Mutter als auch das Kind lebensbedrohlich sein können."

Gleich zu Beginn der Schwangerschaft zum Lungenfacharzt
Um bereits möglichst früh eine optimale Einstellung der Medikamente zu finden, sollten Asthmatikerinnen im Fall einer Schwangerschaft am besten direkt zu einem Lungenfacharzt gehen. „Mit einem Lungenfunktionstest lässt sich überprüfen, ob das Asthma unter vollständiger Kontrolle ist", erklärt Barczok. „Falls nicht, kann der Lungenarzt die Therapie justieren, um die Asthmakontrolle zu verbessern. Mit den Medikamenten, die uns heutzutage zur Verfügung stehen, sollte sich in den allermeisten Fällen eine vollständige Asthma-Kontrolle erreichen lassen - vorausgesetzt die Patientinnen halten sich konsequent an die Vorgaben der Einnahme. Anschließend sollten sie dann auch zu Hause täglich ihr Asthma überwachen, um einer sich anbahnenden Verschlechterung ihrer Atemwegserkrankung rechtzeitig entgegen steuern zu können, die sich z.B. auf Grund von Pollenflug, anderen Allergieauslösern oder auch Stress einstellen kann. Neben der Messung der Lungenfunktion empfiehlt es sich, alle vier Wochen und zusätzlich bei Bedarf den so genannten Asthma-Kontroll-Test zu machen, der kostenlos im Internet unter www.lungenaerzte-im-netz.de durchgeführt werden kann. Ohne zum Arzt gehen zu müssen, ermittelt dieser Test anhand von fünf kurzen Fragen, ob in den letzten vier Wochen asthmatische Beschwerden aufgetreten sind und - wenn ja - welcher Art und wie oft. Das Testergebnis zeigt dann direkt an, wenn die Asthma-Kontrolle unzureichend ist oder zwar schon recht gut, aber noch verbesserbar ist. Dann heißt es: Den Lungenarzt aufsuchen und die Therapie optimieren. Auf diese Weise lässt sich das Asthma auch während der Schwangerschaft sehr gut überwachen und in den Griff bekommen."


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