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28.05.2008

Schwangerschaft: Häufiger Aufenthalt im Kuhstall verringert Allergie-Risiko des Kindes

Schwangere, das Risiko verringern möchten, dass ihr Kind später Allergiker wird, sollten sich möglichst einmal täglich im Kuhstall aufhalten. Die dort - nicht aber im Schweine- oder Schafstall - vorkommenden Bakterien beginnen bereits vor der Geburt des Kindes eine Toleranz gegenüber Fremdstoffen zu programmieren. Diese und weitere Erkenntnisse der Allergieforschung wurden kürzlich auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Lübeck vorgestellt.

Schon seit längerem weiß man, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, seltener Heuschnupfen und allergisches Asthma bekommen als Kinder, die das nicht tun. „Offenbar tragen die im Kuhstall zahlreich vorkommenden, aber nicht krankheitserregenden (nicht-pathogenen) Bakterien dazu bei, die Entwicklung einer bronchialen Überempfindlichkeit (Hyperreagibilität) zu verhindern", erläutert Prof. Harald Renz, der eine Forschungsgruppe in der Abteilung Klinische Chemie und molekulare Diagnostik am Universitätsklinikum Gießen und Marburg leitet. „Das spricht für die so genannte Hygiene-Hypothese, die besagt, dass eine frühe Auseinandersetzung des körpereigenen Immunsystems mit Fremdstoffen eine Voraussetzung dafür ist, eine Toleranz zu entwickeln. Fehlt diese Auseinandersetzung - zum Beispiel auf Grund übertriebener Hygiene oder fehlender Krankheitserreger - ist das Immunsystem sozusagen unterbeschäftigt und tendiert deshalb zu völlig übertriebenen Abwehrreaktionen auf ganz harmlose Stoffe (wie z.B. Pollen oder Nahrungsbestandteile). So erklärt man sich, warum manche Menschen eher zu Allergien neigen." In Übereinstimmung mit der Hygiene-Hypothese sind daher nicht nur Bauernhofkinder, sondern auch die folgenden Gruppen eher vor Allergien geschützt:

  • Geschwisterkinder (die im Gegensatz zu Einzelkindern häufiger mit Krankheiten angesteckt werden)
  • Kinder, die bereits im ersten Lebensjahr in die Kindertagesstätte (KITA) gehen
  • Menschen, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen sind
  • generell: Kinder, die viele banale Infekte der oberen Atemwege durchgemacht haben

Welche Bakterienstämme einen Schutz vor Allergien vermitteln können und wie sie das im Einzelnen tun, indem sie bestimmte Zellen des menschlichen Immunsystems (z.B.  T-Zellen) beeinflussen, hat das Forscherteam um Renz am Universitätsklinikum Gießen und Marburg zusammen mit Wissenschaftlern in München und Borstel genauer untersucht. Ihre neuesten Erkenntnisse über die molekularen Mechanismen der Hygiene-Hypothese wurden kürzlich in einem Symposium mit dem Titel „Hot basic topics" auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Lübeck von Forschungsleiter Renz vorgestellt. „Fest steht, dass eine Toleranz gegenüber potenziellen Allergieauslösern (Allergene) bereits vor der Geburt und in der frühen Kindheit durch den Kontakt mit harmlosen Bakterien programmiert wird", fasst Renz die Forschungsergebnisse zusammen. „Dabei ist insbesondere das dritte Schwangerschaftsdrittel entscheidend: Welche Bakterienbestandteile die Mutter in dieser Phase vor der Geburt aufnimmt (z.B. über die Nase einatmet), wirkt sich direkt auf ihr Kind - also generationenübergreifend - aus.

Dennoch ist auch eine Fehlprogrammierung jeder Zeit möglich. So ist heutzutage bei vielen Menschen, die ihr Leben lang keine Allergien hatten, zu beobachten, dass sie im Alter von 50 oder 60 Jahren dann plötzlich einen Heuschnupfen entwickeln. Außerdem haben wir festgestellt, dass nicht jeder Stall eine ebenso gute Allergieprävention wie der Kuhstall bewirkt. Der Aufenthalt in Schweineställen vermittelt zum Beispiel weniger Allergieschutz als in Kuhställen - und Schafställe sind noch weniger geeignet. Warum das so ist, wissen wir aber noch nicht", berichtet Renz.



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