Frauenärzte im Netz

Aktuelle Meldungen


23.05.2008

Risiko der HIV-Weitergabe von Mutter auf Baby kann nahezu völlig gesenkt werden

Durch richtige Betreuung und Behandlung kann das Risiko, dass eine HIV-positive Schwangere den Erreger an ihr Kind weitergibt, weitestgehend gesenkt werden. Wissenschaftler um Claire Townsend vom Institute of Child Health des britischen University College London konnten eine Infektionsrate der Babys HIV-positiver Mütter von insgesamt nur 1,2% feststellen, wenn bei der Schwangerschaft entsprechende Maßnahmen ergriffen wurden. Die Forschergruppe hat Einzelheiten der Studie auf Aids Online veröffentlicht. „Das ist die erste Untersuchung, die eine so niedrige HIV-Infektionsrate bei Neugeborenen auf Bevölkerungsebene nachweist", kommentiert Dr. Klaus König, der zweite Vorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF), die Ergebnisse der Studie.

In der Untersuchung wurden die Daten von 5.151 HIV-Schwangerschaften analysiert, die in Großbritannien und Irland zwischen den Jahren 2000 und 2006 erfasst wurden. Im Jahr 1999 wurde in Irland, und zwischen 2000 und 2003 in Großbritannien, erstmals ein freiwilliges Routine-Screening von Schwangeren eingeführt, woraufhin die HIV-Entdeckungsraten deutlich anstiegen - von 70% der infizierten Schwangeren im Jahr 2000 und 95% im Jahr 2005. Dies ermöglichte eine entsprechende Betreuung der Mehrheit der schwangeren Mütter, die insbesondere in einer medikamentösen - so genannten anti-retroviralen - Therapie bestand.

In der Studie wurde deutlich, dass die Übertragungsrate durch eine entsprechende Behandlung zumindest in den letzten zwei Wochen der Schwangerschaft auf 0,8% gesenkt werden konnte - unabhängig davon, ob die Babys per Kaiserschnitt oder auf natürlichem Weg zur Welt kamen. „Die Behandlung war offenbar überaus wirksam, denn normalerweise stellt eine natürliche Geburt ein relativ großes Übertragungs-Risiko dar. Frühere Untersuchungen wiesen für diese Form der Entbindung eine Infektionswahrscheinlichkeit von ca. 40% nach. Daher rät man HIV-positiven Müttern heute grundsätzlich zum Kaiserschnitt", erläutert Dr. König. „Als weitere Vorsichtsmaßnahme sollten HIV-positive Mütter auf das Stillen verzichten, weil das Virus auch über die Muttermilch übertragen werden kann."

In Deutschland haben schwangere Frauen Anspruch auf einen Test. Bereits seit 1987 ist die freiwillige Untersuchung ein Bestandteil der Mutterschaftsvorsorge. Seit kurzem ist ein Aufklärungs-Gespräch mit dem Angebot eines Tests verpflichtend eingeführt worden. Diese Maßnahme wurde ergriffen, da es in Deutschland immer noch zu 10 bis 20 HIV-Infektionen bei Neugeborenen und Kleinkindern im Jahr kam. „Wir dürfen gespannt sein, ob die Infektionszahlen Neugeborener in Deutschland weiter sinken, weil mehr Mütter von ihrer Erkrankung erfahren und entsprechend behandelt werden können ", fügt Dr. König hinzu. „Die Zahlen der aktuellen Untersuchung können Frauen in jedem Fall dazu ermutigen, einen HIV-Test durchführen zu lassen, denn die Möglichkeiten die Gesundheit des Kindes erheblich zu schützen sind gegeben."

Mehr Informationen zum Thema HIV und Aids auch unter www.hiv-info.de



Artikel drucken   Artikel empfehlen

Im Fokus

Schwangere Frauen gesucht

Die Uni Erfurt und das Robert-Koch-Institut führen eine Studie zu Gesundheitsentscheidungen durch uns suchen Teilnehmerinnen.

zum Artikel...

Bei Zweifel an Brustimplantaten an Operateur werden

Erste Anlaufstelle beim Verdacht auf minderwertige Brustimplantate des Hersteller Poly Implant Prothèse PIP ist der Arzt, der die Implantate eingesetzt hat.

zum Artikel...

Vorsorgeuntersuchungen und Krebsfrüherkennung

Obwohl alle Kranken- versicherten Anspruch auf regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen haben, wird dieses Angebot in Deutschland erstaunlich wenig wahrgenommen. Dabei sind heute viele Erkrankungen bei rechtzeitiger Diagnose heilbar.

zum Artikel...

Forum beantwortet Fragen zur HPV-Impfung

Eltern und Jugendliche können im Internet persönliche Fragen zur HPV-Impfung und auch zum Impfen im Allgemeinen an Experten richten: www.impfenimdialog.de/

zum Artikel...

Schwanger ab 35

Je später eine Schwanger- schaft geplant wird, desto wichtiger ist die körperliche Gesundheit der Frauen und ihr Lebensstil.

zum Artikel...

"Frauenkrankheiten" von A bis Z

Die typischen Frauen- krankheiten betreffen die weiblichen Geschlechtsorgane und hängen meist stark mit dem Hormonhaushalt zusammen ...

zum Artikel...

Kosmetische & ästhetische Korrekturen

Viele Frauen möchten sich operativ verändern. Zu bedenken ist, dass kosmetische Eingriffe an einem gesunden Körper durchgeführt werden, ihn unwiederbringlich verändern
und Risiken bergen.

zum Artikel...

Sexualität - Das erste Mal

Offene Gespräche und eine gemein- same Vorbereitung sind für ein gelungenes „erstes Mal" wichtig.

zum Artikel...

Pille vergessen - und jetzt?

Wurde die planmäßige Einnahme der Pille versäumt, sollte die fehlende Tablette am besten sofort nachgenommen werden. Ob zusätzlich verhütet werden muss erfahren Sie hier.

zum Artikel...

Waren Sie 2012 schon bei Ihrem Frauenarzt?

Die jährliche Krebsfrüh- erkennung ist ein wichtiger Baustein der Gesundheitsvorsorge. Der beste Termin für den Abstrich am Gebärmutterhals ist die Zyklusmitte.

zum Artikel...