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16.05.2008

Kein vorzeitiges Einsetzen der Wechseljahre durch künstliche Befruchtung

Frauen, deren Eierstöcke im Rahmen einer künstlichen Befruchtung wiederholt hormonell stimuliert werden, müssen nicht damit rechnen, dass sie deswegen früher in die Wechseljahre kommen. Zu diesem Schluss kommt die Studie einer internationalen Studiengruppe um Dr. Kay Elder von der Bourn Hall Clinic im britischen Cambridge, die ihre Ergebnisse im Fachmagazin Reproductive BioMedicine Online veröffentlicht haben. „Dies ist ein beruhigendes Ergebnis für all die Frauen, die zur Steigerung ihrer Fruchtbarkeit auf Hormon-Injektionen angewiesen sind", kommentiert Dr. Klaus König, zweiter Vorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte e. V. (BVF) die Datenlage. „Bisher nahm man an, dass die künstliche Stimulation der Eierstöcke möglicherweise dazu führen könnte, dass die Wechseljahre vorzeitig einsetzen."

Die Eizellen in den Eierstöcken werden nicht - wie etwa Spermien - kontinuierlich nachproduziert. Mit der Entwicklung zum Embryo wird bei Frauen ein Pool von Eizellen angelegt, der ab der ersten Menstruation mit jedem weiblichen Zyklus verbraucht wird. Schon ab dem Alter von 40 Jahren kann sich die Funktion der Eierstöcke langsam abbauen, bis zur völligen Einstellung ihrer Tätigkeit durchschnittlich im Alter von 50 Jahren. Damit kommt auch die Östrogenproduktion der Eierstöcke bei Frauen zum Erliegen.

„Bei einer künstlichen Befruchtung, der so genannten In-vitro-Fertilisation (IVF), die im Reagenzglas erfolgt, wird der Eierstock durch hormonelle Stimulation zur Reifung mehrerer Eizellen angeregt. Bei einem natürlichen Vorgang würde hingegen normalerweise nur eine Eizelle heranreifen. Es wäre also denkbar, dass ein hormonell gesteigertes Ausreifen von Eizellen zu einem früheren Funktionsverlust der Eierstöcke und damit zu vorzeitigen Wechseljahren führen könnte", erläutert Dr. König den Hintergrund der Untersuchung.

In die aktuelle Studie gingen die Daten von 199 Frauen ein, die zwischen den Jahren 1981 und 1994 mit dem so genannten FSH (Follicle Stimulating Hormone) in der Bourn Hall Clinic in Cambridge behandelt wurden. Dieses Hormon wird üblicherweise bei Verfahren der künstlichen Befruchtung eingesetzt.

Die Datenanalyse zeigte, dass diese sämtlichen hormonell behandelten Patientinnen im Schnitt mit 50 Jahren in die Wechseljahre kamen, was somit dem allgemeinen Durchschnitt entspricht. Auch ergab sich bei den Frauen kein Zusammenhang zwischen der Anzahl erhaltener FSH-Ampullen, der Anzahl künstlicher Befruchtungs-Zyklen oder der Anzahl an Schwangerschaften und überdurchschnittlich ausgeprägten Wechseljahresbeschwerden. „Die Studiengruppe kommt somit zu dem Schluss, dass eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke das reproduktive Potential von Frauen nicht beeinträchtigt und auch den Zeitpunkt deren Eintritts der Wechseljahre nicht vorverlegt", ergänzt Dr. König.

In Deutschland sind insgesamt 1,4 Millionen Frauen und Männer zwischen 25 und 59 Jahren von ungewollter Kinderlosigkeit aus medizinischen Gründen betroffen. Hierzulande wird ca. jedes 80. Kind per IVF gezeugt, jedes zehnte Paar benötigt ärztliche Unterstützung bei der Erfüllung des Kinderwunsches - oft in Form von unterstützender hormoneller Stimulation der Eierstöcke.



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