Frauenärzte im Netz

Aktuelle Meldungen


14.05.2008

Knoblauchextrakte vermindern Wirkung von HIV-Medikament

Die Einnahme von Knoblauchzubereitungen (Kapseln oder Knoblauchzehen) kann die Wirkstoffkonzentration des Arzneimittels Saquinavir senken und damit die Wirkung der antiretroviralen Therapie gefährden. Davor warnt jetzt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Es verbietet zwar nicht die Einnahme von Knoblauchzubereitungen, fordert in den Fachinformationen jedoch regelmäßige Therapiekontrollen für die Anti-HIV-Medikation durch den Arzt. Der Arzneistoff, ein so genannter Protease-Inhibitor, wird zur Behandlung HIV-1-infizierter Erwachsener eingesetzt. Die Verwendung erfolgt in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln im Sinne einer so genannten „highly active antiretroviral therapy".

Die Wechselwirkungen von Saquinavir und Knoblauchzubereitungen wurde bereits vor einigen Jahren (Falloon et al., Clinical Infectious Diseases 2002) beschrieben. Damals wurde eine Untersuchung an neun gesunden Probanden (HIV-negativ) durchgeführt, die etwa drei Wochen lang eine Knoblauchzubereitung und Saquinavir einnahmen. Die Tagesdosis enthielt Allicin und Alliin in einer Menge, die etwa der in zwei Knoblauchzehen von je vier Gramm entspricht. Allicin ist eine natürlicherweise in Knoblauch vorkommende schwefelhaltige Verbindung, die u. a. für dessen typischen Geruch verantwortlich ist. Die Verbindung wird über Atem und Haut wieder ausgeschieden. Allicin ist ein Abbauprodukt der Aminosäure Alliin und entsteht bei Beschädigung der Knoblauchzehe unter Einwirkung des Enzyms Alliinase.

In der Studie führte die gleichzeitige Gabe von Knoblauch-Kapseln (zweimal täglich) und 1.200 Milligramm Saquinavir (dreimal täglich) acht Stunden nach Einnahme unter anderem zu einer Abnahme der Wirkstoffmenge im Blut - für Saquinavir um durchschnittlich 51%. Nach einer zehntägigen „Auswaschphase" ohne Einnahme des Knoblauchpräparats waren die Wirkstoffspiegel immer noch deutlich (30 bis 40%) erniedrigt. Wechselwirkungen zwischen knoblauchhaltigen Arzneimitteln und anderen Protease-Inhibitoren wurden nicht festgestellt.

Man vermutet einen beschleunigten enzymatischen Abbau des Wirkstoffs in der Leber, als Folge des Knoblauch-Konsums. Die Beeinträchtigung tritt auch nach dem Verzehr von Knoblauchzehen auf. Das BfArM nennt einen Grenzwert von 0,8 Gramm, was einem Zehntel der in der Studie verwendeten Dosis entspricht. Bei einer solchen Dosis sei mit klinisch relevanten Wechselwirkungen nicht mehr zu rechnen, schreibt das BfArM. Die Menge von 0,8 Gramm entspricht dem fünften Teil einer Knoblauchzehe, so dass sich auch Liebhaber dieser Gewürzzwiebel Gedanken über mögliche Interaktionen machen sollten.

Viele HIV-Patienten sind Anhänger der gesundheitlichen Wirkungen von Alliin und Allicin oder Knoblauch, was vor einigen Jahren in einer amerikanischen Studie deutlich wurde (Lee et al., Clinical Infectious Diseases 2006). Demnach nimmt jeder dritte HIV-Patient parallel zu der medikamentösen Therapie auch Knoblauchzubereitungen ein. 

Allgemeine Informationen zu HIV und AIDS auch unter: www.hiv-info.de
Informationen zu Medikamenten-Wechselwirkungen der Deutschen Aids-Hilfe e. V. unter: http://www.hiv-wechselwirkungen.de/index_4837_de.html


Artikel drucken   Artikel empfehlen

Im Fokus

Schwangere Frauen gesucht

Die Uni Erfurt und das Robert-Koch-Institut führen eine Studie zu Gesundheitsentscheidungen durch uns suchen Teilnehmerinnen.

zum Artikel...

Bei Zweifel an Brustimplantaten an Operateur werden

Erste Anlaufstelle beim Verdacht auf minderwertige Brustimplantate des Hersteller Poly Implant Prothèse PIP ist der Arzt, der die Implantate eingesetzt hat.

zum Artikel...

Vorsorgeuntersuchungen und Krebsfrüherkennung

Obwohl alle Kranken- versicherten Anspruch auf regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen haben, wird dieses Angebot in Deutschland erstaunlich wenig wahrgenommen. Dabei sind heute viele Erkrankungen bei rechtzeitiger Diagnose heilbar.

zum Artikel...

Forum beantwortet Fragen zur HPV-Impfung

Eltern und Jugendliche können im Internet persönliche Fragen zur HPV-Impfung und auch zum Impfen im Allgemeinen an Experten richten: www.impfenimdialog.de/

zum Artikel...

Schwanger ab 35

Je später eine Schwanger- schaft geplant wird, desto wichtiger ist die körperliche Gesundheit der Frauen und ihr Lebensstil.

zum Artikel...

"Frauenkrankheiten" von A bis Z

Die typischen Frauen- krankheiten betreffen die weiblichen Geschlechtsorgane und hängen meist stark mit dem Hormonhaushalt zusammen ...

zum Artikel...

Kosmetische & ästhetische Korrekturen

Viele Frauen möchten sich operativ verändern. Zu bedenken ist, dass kosmetische Eingriffe an einem gesunden Körper durchgeführt werden, ihn unwiederbringlich verändern
und Risiken bergen.

zum Artikel...

Sexualität - Das erste Mal

Offene Gespräche und eine gemein- same Vorbereitung sind für ein gelungenes „erstes Mal" wichtig.

zum Artikel...

Pille vergessen - und jetzt?

Wurde die planmäßige Einnahme der Pille versäumt, sollte die fehlende Tablette am besten sofort nachgenommen werden. Ob zusätzlich verhütet werden muss erfahren Sie hier.

zum Artikel...

Waren Sie 2012 schon bei Ihrem Frauenarzt?

Die jährliche Krebsfrüh- erkennung ist ein wichtiger Baustein der Gesundheitsvorsorge. Der beste Termin für den Abstrich am Gebärmutterhals ist die Zyklusmitte.

zum Artikel...