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18.04.2008

Schwangerschaft: Rhesus-Unverträglichkeit des Babys besser diagnostizierbar

Durch Analysieren der DNA von Ungeborenen, die unkompliziert aus dem Blut der schwangeren Mutter isoliert wird, kann ermittelt werden, ob bei Babys eine potentiell gefährliche Rhesus-Unverträglichkeit vorliegt. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern um Dr. Geoff Daniels vom NHS Blood and Transplant Centre in Bristol, welche die Ergebnisse des neuen Testverfahrens im „British Medical Journal" veröffentlicht haben. Demnach könnte etwa einem Drittel der Schwangeren eine medikamentöse Prophylaxe erspart bleiben, die verhindert, dass sich mütterliche Antikörper gegen den Rhesus-Faktor des Kindes bilden. „Das neue Testverfahren macht sich dabei zwei Erkenntnisse der vergangenen Jahre zunutze: Zum einen wurde entdeckt, dass DNA vom Ungeborenen über die Plazenta in den Blutkreislauf der Mutter gelangt. Zum anderen konnten die menschlichen Gene, welche für die Ausbildung der Rhesus-Eigenschaft der Blutzellen verantwortlich sind, identifiziert werden. Beides ermöglichte die Entwicklung eines genetischen Tests von kindlicher DNA aus dem mütterlichen Blut, der mit großer Sicherheit feststellen kann, ob das Baby einen Rhesus-Faktor besitzt", erläutert Dr. Klaus König, zweiter Vorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte e. V. (BVF). „Dies war bisher schwer feststellbar, da Blut vom Ungeborenen nur auf unzumutbare Weise gewonnen werden konnte."

Hintergrund der Unverträglichkeits-Problematik ist die Gefahr eines Angriffs mütterlicher Antikörper auf die Blutzellen von Ungeborenen, die bestimmte Proteine, den so genannten Rhesus-Faktor, auf der Zelloberfläche tragen. Bei etwa jeder zehnten Schwangerschaft liegt so eine Rhesus-Unverträglichkeit vor. Weil die Mutter das Protein nicht besitzt, also rhesus-negativ ist, bildet ihr Immunsystem bei Kontakt mit dem Blut des Ungeborenen so genannte Anti-D-Antikörper gegen dessen rhesus-positive Blutzellen.

In der Regel geschieht der Übertritt vom Blut des Kindes in die mütterliche Blutbahn allerdings erst bei der Geburt und nicht bereits im Mutterleib. Daher bildet die Mutter bei der ersten Schwangerschaft zunächst keine Anti-D-Antikörper und das erste Kind bleibt gesund. Nur in seltenen Fällen kann es sein, dass die Mutter bereits in der ersten Schwangerschaft durch Blutvermischung Antikörper bildet, die zu Erkrankungen, Behinderungen und sogar dem Tod des Kindes führen können. „Um diese Gefahr bei der ersten Schwangerschaft aber vor allem auch für folgende Schwangerschaften mit rhesus-positiven Kindern auszuschließen, erhalten alle rhesus-negativen Mütter in der 28. Schwangerschaftswoche und spätestens 72 Stunden nach der Geburt eines Rhesus-positiven Kindes eine Prophylaxe. Dabei handelt es sich um Anti-D-Immunglobuline. Dies ist ein Medikament, das kindliche rote Blutkörperchen mit dem Rhesusfaktor D bei einem Übertritt auf die Mutter aus ihrem Blutkreislauf entfernt, bevor sie das Immunsystem der Mutter aktivieren können. Betroffene Schwangere bekommen es regelmäßig gespritzt. Eine Antikörperbildung bleibt so in einer Folgeschwangerschaft aus und verhindert damit gesundheitliche Komplikationen beim Kind", erklärt Dr. König.

Die Untersuchung zum neuartigen Verfahren wurde von der Blutbank des National Health Service (NHS) durchgeführt, wobei die Blutproben von 1997 schwangeren Frauen ausgewertet wurden. Der Test erwies sich dabei als äußerst zuverlässig - nur bei drei Proben wurde übersehen, dass die DNA des Kindes rhesus-positves Blut hervorbringen würde. In diesen Fällen hätte ein Verzicht auf die Prophylaxe die Gesundheit der Kinder allerdings gefährden können.

Den Studienergebnissen zufolge könnte durch den Test die Anzahl der Mütter, die unnötigerweise prophylaktisch Medikamente gespritzt bekommen von 36% auf nur 2% gesenkt werden. „Die Datenlage ist sehr erfreulich und zeigt einmal mehr, dass moderne molekularbiologische Forschung verstärkt Einzug in die alltägliche Versorgung von Patienten findet. Durch den Test könnten vielen Schwangern Unannehmlichkeiten und die Gefährdung, die mit dem Spritzen von Blutbestandteilen verbunden ist, erspart bleiben", kommentiert der Gynäkologe. „Nachfolgende Studien müssen nun klären, ob der Test auch bereits zu einem früheren Zeitpunkt in der Schwangerschaft verlässliche Ergebnisse liefert und für einen breiten Einsatz geeignet ist."



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