Frauenärzte im Netz

Aktuelle Meldungen


11.04.2008

Studie: Steißgeburten sind offenbar erblich

Wenn Mutter oder Vater in Steißlage zur Welt gekommen sind, verdoppelt sich für die Nachkommen die Wahrscheinlichkeit, ebenfalls ein Kind in Beckenlage zu bekommen. Zu diesem Schluss kamen norwegische Wissenschaftler um Professor Rolv Skjaerven und Tone Irene Nordtveit von der Universität Bergen, die ihre Studie im British Medical Journal veröffentlicht haben. „In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass sich Geburten in Steißlage nicht selten bei denselben Müttern auch in späteren Schwangerschaften wiederholen", sagt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte e. V. (BVF). „Dass dieses Phänomen offenbar auch generationsübergreifend auftritt, ist ein überraschend neues Ergebnis."

In der bevölkerungsbasierten Studie analysierten die Forscher die Daten sämtlicher Geburten zwischen 1967 und 2004. Dabei betrachteten sie die Datenlage zu Frauen und Männern und deren erstgeborenen Kindern - insgesamt über 385.000 Personen.
Dabei fanden die norwegischen Wissenschaftler heraus, dass Kinder 2,2-fach häufiger eine Steißgeburt haben, wenn es bei der Geburt eines Elternteils ebenso der Fall war. Allerdings nur dann, wenn Mütter und Väter nicht zu früh zur Welt kamen. Bei Frühgeburten wurde kein genetisches Risiko für Steißgeburten beim Nachwuchs gefunden. „Das sich eine Verdopplung des Risikos auch bei denjenigen Nachkommen zeigte, die denselben Vater aber eine andere Mutter hatten, bestärkt das Studienergebnis", kommentiert der Präsident des BVF.

Eine Geburt erfolgt normalerweise in der so genannten Schädellage, bei welcher der Kopf des Kindes nach unten ragt. „Schädellagen gibt es deshalb, weil Menschen aufrecht gehen und sich der Kopf als schwerster Teil des Kindes nach unten senkt. Dies ist wichtig, weil beim Menschen der Schädel gegenüber anderen Säugern überproportional groß ist, und daher als erstes kommen muss", erläutert Dr. Albring.
Die Beckenendlage oder Steißlage, bei der das Kind nicht mit dem Kopf sondern mit dem Hinterteil zum Geburtskanal zeigt, stellt allgemein ein Schwangerschafts- und Geburtsrisiko dar. Dabei liegt das Kind mit dem Kopf direkt unterhalb des Rippenbogens der Mutter. Die Beine des Kindes sind entweder am Bauch in die Höhe geschlagen, oder sie sind in gehockter Haltung. „Nur bis etwa zur 36. Schwangerschaftswoche haben die Kinder noch ausreichend Platz, um sich in Kopflage zu drehen, später nicht mehr. Bewegt sich das Kind nicht selbst in eine Schädellage und bleibt ein Wendungsversuch von außen auch ohne Erfolg, muss das Kind mit dem Po zuerst geboren werden", erklärt der niedergelassene Gynäkologe. „Das Baby muss sich mit dem Steiß im Geburtskanal genauso einfügen und bewegen, als würde es mit dem Kopf zuerst kommen. Sobald der Po draußen ist, rutscht der Kopf in den Beckenring. Da es jetzt sehr eng ist, drückt das Köpfchen die Nabelschnur ab, und das Kind muss nun schnell vollständig geboren werden", erläutert Dr. Albring. „Abhängig von der Gesamtsituation entscheidet man sich bei der Geburt daher oft für einen Kaiserschnitt."

Etwa ein Viertel aller Babys befindet sich bis zur Mitte der Schwangerschaften in Beckenendlage. Der Großteil dreht sich jedoch noch in die günstige Schädellage, bei welcher der Kopf zuerst in den Geburtskanal eindringt. Nur etwa drei bis vier Prozent der Geburten erfolgen bei Steißlage des Kindes, für die ein hohes Alter der Mutter, eine Erstschwangerschaft und ein niedriges Geburtsgewicht Risikofaktoren sind.


Weitere Meldungen zum Thema:


Artikel drucken   Artikel empfehlen

Im Fokus

Schwangere Frauen gesucht

Die Uni Erfurt und das Robert-Koch-Institut führen eine Studie zu Gesundheitsentscheidungen durch uns suchen Teilnehmerinnen.

zum Artikel...

Bei Zweifel an Brustimplantaten an Operateur werden

Erste Anlaufstelle beim Verdacht auf minderwertige Brustimplantate des Hersteller Poly Implant Prothèse PIP ist der Arzt, der die Implantate eingesetzt hat.

zum Artikel...

Vorsorgeuntersuchungen und Krebsfrüherkennung

Obwohl alle Kranken- versicherten Anspruch auf regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen haben, wird dieses Angebot in Deutschland erstaunlich wenig wahrgenommen. Dabei sind heute viele Erkrankungen bei rechtzeitiger Diagnose heilbar.

zum Artikel...

Forum beantwortet Fragen zur HPV-Impfung

Eltern und Jugendliche können im Internet persönliche Fragen zur HPV-Impfung und auch zum Impfen im Allgemeinen an Experten richten: www.impfenimdialog.de/

zum Artikel...

Schwanger ab 35

Je später eine Schwanger- schaft geplant wird, desto wichtiger ist die körperliche Gesundheit der Frauen und ihr Lebensstil.

zum Artikel...

"Frauenkrankheiten" von A bis Z

Die typischen Frauen- krankheiten betreffen die weiblichen Geschlechtsorgane und hängen meist stark mit dem Hormonhaushalt zusammen ...

zum Artikel...

Kosmetische & ästhetische Korrekturen

Viele Frauen möchten sich operativ verändern. Zu bedenken ist, dass kosmetische Eingriffe an einem gesunden Körper durchgeführt werden, ihn unwiederbringlich verändern
und Risiken bergen.

zum Artikel...

Sexualität - Das erste Mal

Offene Gespräche und eine gemein- same Vorbereitung sind für ein gelungenes „erstes Mal" wichtig.

zum Artikel...

Pille vergessen - und jetzt?

Wurde die planmäßige Einnahme der Pille versäumt, sollte die fehlende Tablette am besten sofort nachgenommen werden. Ob zusätzlich verhütet werden muss erfahren Sie hier.

zum Artikel...

Waren Sie 2012 schon bei Ihrem Frauenarzt?

Die jährliche Krebsfrüh- erkennung ist ein wichtiger Baustein der Gesundheitsvorsorge. Der beste Termin für den Abstrich am Gebärmutterhals ist die Zyklusmitte.

zum Artikel...