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29.05.2008

Alltagsstress erschwert Überwindung einer Infektion mit Humanen Papillomviren

Frauen, die sich mit Humanen Papillomviren (HPV) angesteckt haben, welche die Ursache für Gebärmutterhalskrebs sind, überwinden diese Infektion offenbar schlechter, wenn sie täglichem Stress ausgesetzt sind. Diesen Zusammenhang haben US-amerikanische Forscher um Carolyn Y. Fang vom Fox Chase Center in Philadelphia herausgefunden und in der Februar-Ausgabe des Fachmagazins Annals of Behavorial Medicine veröffentlicht. „Bisher konnte noch nicht eindeutig geklärt werden, warum bei manchen Frauen eine HPV-Infektion ausheilt und andere dauerhaft infiziert bleiben. Wir vermuten, dass die individuelle Genetik und das Abwehrvermögen des Immunsystems hierbei eine zentrale Rolle spielen. Wir gehen davon aus, dass der Körper durch eine effektive Immunantwort dazu in der Lage ist, die Viren im Körper erfolgreich zu bekämpfen. Die aktuelle Studie zeigt nun, dass Stress offenbar ein wichtiger Faktor für eine dauerhafte Infektion ist, vermutlich weil er sich negativ auf das Immunsystem auswirkt", erklärt Dr. Klaus König, zweiter Vorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte e. V. (BVF).

An der Untersuchung haben insgesamt 102 Frauen teilgenommen. Von ihnen hatten 74 Zellveränderungen am Gebärmutterhals, die Vorstufen für eine Krebserkrankung am Gebärmutterhals darstellen können, die anderen Frauen waren gesund. Um den Zusammenhang zwischen der Immunantwort auf HP-Viren und Stress zu klären, wurden von den Frauen Blutproben entnommen. Exemplarisch wurde im Blut die Immunreaktion von T-Zellen - einem bestimmten Typ von Immunzellen - auf den HP-Virentyp 16 überprüft. Der HPV-Typ 16 gehört zu denjenigen Virentypen - so genannten Hoch-Risiko-Typen -, die Krebs auslösen können. Zusätzlich wurden bei den Frauen veränderte Zellen vom Gebärmutterhals mit Hilfe eines DNA-Tests auf das Vorkommen von HP-Viren untersucht und die Virentypen bestimmt.
Daneben wurde bei den Patientinnen mit Hilfe eines Fragebogens ermittelt, inwieweit sie in vergangenen Monaten schwerwiegenden Stress-Situationen ausgesetzt waren, wie etwa einer Scheidung, dem Tod eines Angehörigen oder ihren Job verloren hatten. Außerdem wurde erfragt, ob sich die Frauen in vergangener Zeit subjektiv gestresst, überfordert oder beunruhigt gefühlt hatten.

Überaschenderweise zeigte sich kein Zusammenhang zwischen großen belastenden Ereignissen in vergangenen Monaten auf eine verminderte Immunreaktion. Wohl aber zwischen dem gefühltem Stress innerhalb des vergangenen Monats und einer deutlich verminderten Immunreaktion gegen das HP-16-Virus.

Dass kein Zusammenhang zwischen den schwerwiegenden belastenden Ereignissen und einer verringerten Immunantwort auftrat, ist möglicherweise darin begründet, dass zu viel Zeit zwischen der Stress-Situation und der Blutentnahme vergangen war, so eine Vermutung der Forscher. Die Verbindung zwischen empfundenem Stress und einer schwachen Immunreaktion war hingegen sehr ausgeprägt. „Aus dem Studienergebnis lässt sich ableiten, dass Frauen, die sich subjektiv gestresst fühlen und eine HPV-Infektion mit krebserregenden Virentypen haben, ein größeres Risiko für eine spätere Krebserkrankung am Gebärmutterhals haben" führt Dr. König aus. „An diese Untersuchung sollten weitere Studien anknüpfen, um den Zusammenhang von psychosozialen Faktoren auf die Immunantwort und eine Infektion mit HP-Viren genauer zu klären. Wir empfehlen schon jetzt Frauen, mit Auffälligkeiten am Gebärmutterhals, soweit möglich Stress zu vermeiden und auch das Rauchen einzustellen, um das Immunsystem zu entlasten. Die derzeit beste Möglichkeit, um sich vor Gebärmutterhalskrebs zu schützen ist die Kombination aus einer regelmäßigen Teilnahme an der Krebsfrüherkennung und einer rechtzeitigen Impfung gegen HP-Viren", rät der Gynäkologe.


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