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19.10.2007

Mit dem Partner wird zu selten über Sex gesprochen

Viele Bundesbürger sind unzufrieden mit ihrem Sexleben - Experten zufolge sind sie daran aber oft selbst schuld, weil sie zu wenig über das Thema reden. „Viele schämen sich immer noch, mit dem anderen über ihre sexuellen Wünsche zu sprechen", sagt der Psychologe Ragnar Beer von der Universität Göttingen. Oft steckt hier die Angst dahinter, den Partner zu verletzen, so der Leiter der Online-Paartherapieplattform „Theratalk.de".

Laut einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung des Kondomherstellers Durex sind die Deutschen oft zu schüchtern, wenn es um ihre sexuellen Wünsche geht. Nur etwas mehr als die Hälfte (56%) sprechen mit ihren Partner offen über Sex. Dabei sind Frauen zurückhaltender (53%) als die Männer (62%). Gleichzeitig wünschen sich viele, dass sich etwas in ihrem Liebesleben ändert: Knapp zwei Drittel der Befragten hätten gerne mehr Sex, und nur jeder Zweite findet, dass es in seinem Schlafzimmer abwechslungsreich genug zugeht.

Wenn ein Partner seine Wünsche im Liebesleben unterdrückt, ist das Gift für die Beziehung, sagt der Sexualforscher Ulrich Clement in Heidelberg. Oftmals wird das Thema dabei aber falsch angegangen. So gehört zum Reden über Sex auch das Zuhören. Der Klassiker „War ich gut?" etwa geht Frauen verständlicherweise schnell auf die Nerven, weil er viel zu einseitig formuliert ist.

Nach dem Sex darüber zu reden kann aber helfen, meint Psychologe Beer. Das Schwierigste ist es schließlich, die erste Hemmschwelle zu überwinden - wenn die Partner dann nackt im Bett liegen, kann dies eine gute Gelegenheit sein. Dabei kommt es aber darauf an, den richtigen Ton zu treffen: „Wenn man sich nur beklagt, kann man den anderen leicht vor den Kopf stoßen", sagt Sexualforscher Clement. Wichtig ist daher, neue Dinge im Liebesleben nicht nur einzufordern, sondern den anderen dazu zu verführen. „Man sollte den Partner daher auch mal loben", ergänzt Beer.

Positive Rückmeldungen wie „Ich fand das eben toll, als du mich so gehalten hast" prägten sich viel mehr ein als negative. Dabei sei es teilweise auch sinnvoll, die „Blümchensprache" einmal beiseite zu lassen und das Thema ganz offen und nüchtern zu besprechen, wenn die sexuelle Stimulation fehlt. „Da muss man auch mal ganz konkret werden - nach dem Motto «Du Schatz, wenn du mich so anfasst, fühlt sich das nicht so gut an - versuch's doch mal so»", erklärt Clement.

Seiteneinstiege in das Thema gehen oft daneben, meint Beer. So funktioniert es meist nicht, wenn ein Partner etwa eine erotische Geschichte von ihrer Freundin als „Testballon" erzählt, um so auf das eigene Liebesleben zu sprechen zu kommen. „Sowas durchschaut der andere meist schnell - dann ist es besser, nicht lange um den heißen Brei herumzureden."



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