Frauenärzte im Netz

Aktuelle Meldungen


29.05.2007

Auch bei HIV gibt es einen „Schutz danach“

Menschen, die Kontakt mit HIV-infiziertem Blut, Sperma oder Vaginalsekret hatten, können sich unmittelbar nach dem Ereignis gegen eine mögliche HIV-Infektion schützen. Sofortmaßnahmen und eine anschließende Medikamenteneinnahme können eine Infektion auch nach einer Verletzung durch scharfe Gegenstände und einer möglichen Übertragung HIV-haltigen Blutes verhindern.

„Die HI-Viren infizieren zunächst Immunzellen im Bereich der Eintrittstelle", erklärt Dr. Peter Walger vom Universitätsklinikum Bonn. Diese wandern erst nach mehreren Stunden in nahe gelegene Lymphknoten, wo sie sich vermehren und von dort aus ausbreiten können. „Kurz nach einer Virusübertragung lässt sich die Ausbreitung des Erregers deshalb am ehesten verhindern", so der Infektiologe. Mit Hilfe der Sofortmaßnahmen können die Betroffenen auch selbst die Viren am Körpereintritt hindern und die Virusmenge verringern. Eine kurzzeitige Medikamenteneinnahme, die so genannte Postexpositonsprophylaxe (PEP), soll dann die Virusvermehrung blockieren.

Zeitnahe Reinigung der infizierten Körperstelle erforderlich
Als Sofortmaßnahmen werden betroffene Hautstellen unmittelbar nach dem Kontakt unter fließendem Wasser gereinigt, mit einem alkoholgetränkten Tupfer abgerieben oder einem alkoholischen Antiseptikum desinfiziert. Druck auf das umliegende Gewebe soll bei einer Schnitt- oder Stichverletzung die Blutung anregen und dadurch die Zahl der Viren in der Wunde verringern. Sind die Augen oder der Mund mit infektiösem Material in Berührung gekommen, werden diese gründlich mit Wasser ausgespült. Der Mund kann auch für wenige Sekunden mit hochprozentigem Alkohol ausgespült werden. Falls notwendig, sollte auch der Penis sorgfältig gereinigt werden.

Über diese Sofortmaßnahmen hinaus ist eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten möglich, z. B. wenn feststeht, dass die Kontaktperson mit HIV infiziert ist. Vor Beginn der medikamentösen Prophylaxe sollte immer ein HIV-erfahrener Arzt kontaktiert werden. Es werden verschiedene Medikamente miteinander kombiniert, die die Vermehrung des Virus hemmen. Sie werden in der Regel 4 Wochen lang verabreicht. Je früher eine medikamentöse Prophylaxe begonnen wird, desto größer sind die Aussichten, eine Infektion zu verhindern. „Sie sollte möglichst innerhalb von 2 Stunden nach dem Kontakt mit infiziertem Material begonnen werden", empfiehlt Dr. Walger. Sind mehr als 3 Tage seit dem Risikokontakt vergangen, sei der Nutzen einer medikamentösen Vorbeugung dagegen nicht mehr gegeben.

Aufsuchen einer HIV-Spezialambulanz sinnvoll
Nach notfallmäßigem Beginn einer Prophylaxe durch einen erstversorgenden Arzt, einen Notarzt oder eine Notfallambulanz im Krankenhaus sollten Betroffene eine Spezialambulanz (HIV-Zentrum) oder eine HIV-Schwerpunktpraxis aufsuchen und sich beraten lassen. Diese Schwerpunktpraxen sind üblicherweise in den jeweiligen Städten bekannt und z. B. über die Notfalldienste oder über die örtlichen AIDS-Beratungsstellen zu erfragen. In der Regel verfügen Krankenhäuser über ein Notfalldepot mit Anti-HIV-Medikamenten, um berufsbedingte HIV-Risiken versorgen zu können. Die nicht unerheblichen Kosten einer 4-wöchigen Medikamentenprophylaxe nach privatem Risiko übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bislang nicht. Die Kosten bei beruflichem Risiko übernehmen die gesetzlichen Unfallversicherungen.

Mehr Informationen unter http://www.hiv-info.de/index.jsp



Artikel drucken   Artikel empfehlen

Im Fokus

Schwangere Frauen gesucht

Die Uni Erfurt und das Robert-Koch-Institut führen eine Studie zu Gesundheitsentscheidungen durch uns suchen Teilnehmerinnen.

zum Artikel...

Bei Zweifel an Brustimplantaten an Operateur werden

Erste Anlaufstelle beim Verdacht auf minderwertige Brustimplantate des Hersteller Poly Implant Prothèse PIP ist der Arzt, der die Implantate eingesetzt hat.

zum Artikel...

Vorsorgeuntersuchungen und Krebsfrüherkennung

Obwohl alle Kranken- versicherten Anspruch auf regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen haben, wird dieses Angebot in Deutschland erstaunlich wenig wahrgenommen. Dabei sind heute viele Erkrankungen bei rechtzeitiger Diagnose heilbar.

zum Artikel...

Forum beantwortet Fragen zur HPV-Impfung

Eltern und Jugendliche können im Internet persönliche Fragen zur HPV-Impfung und auch zum Impfen im Allgemeinen an Experten richten: www.impfenimdialog.de/

zum Artikel...

Schwanger ab 35

Je später eine Schwanger- schaft geplant wird, desto wichtiger ist die körperliche Gesundheit der Frauen und ihr Lebensstil.

zum Artikel...

"Frauenkrankheiten" von A bis Z

Die typischen Frauen- krankheiten betreffen die weiblichen Geschlechtsorgane und hängen meist stark mit dem Hormonhaushalt zusammen ...

zum Artikel...

Kosmetische & ästhetische Korrekturen

Viele Frauen möchten sich operativ verändern. Zu bedenken ist, dass kosmetische Eingriffe an einem gesunden Körper durchgeführt werden, ihn unwiederbringlich verändern
und Risiken bergen.

zum Artikel...

Sexualität - Das erste Mal

Offene Gespräche und eine gemein- same Vorbereitung sind für ein gelungenes „erstes Mal" wichtig.

zum Artikel...

Pille vergessen - und jetzt?

Wurde die planmäßige Einnahme der Pille versäumt, sollte die fehlende Tablette am besten sofort nachgenommen werden. Ob zusätzlich verhütet werden muss erfahren Sie hier.

zum Artikel...

Waren Sie 2012 schon bei Ihrem Frauenarzt?

Die jährliche Krebsfrüh- erkennung ist ein wichtiger Baustein der Gesundheitsvorsorge. Der beste Termin für den Abstrich am Gebärmutterhals ist die Zyklusmitte.

zum Artikel...