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08.03.2016

Gesund in den Wechseljahren - was kann die Medizin dazu beitragen?

Der Stoffwechsel vieler Frauen verändert sich in den Wechseljahren erheblich. Denn so sehr wie Östrogen, das in den Eierstöcken produziert wird, den Körper in jüngeren Jahren vor Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall schützt, so sehr wirkt sich das Fehlen des Hormons aus, wenn die Eierstöcke ihre Tätigkeit einstellen. Prof. Dr. med. Joseph Neulen, Direktor der Universitäts-Frauenklinik Aachen, stellte auf der Pressekonferenz des FOKO 2016 aktuelle Erkenntnisse zu Stoffwechselerkrankungen von Frauen nach den Wechseljahren vor und erläuterte moderne Ansätze für deren Behandlung.

Die Grundlage für einen intakten Stoffwechsel und für ein langes Leben ist ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung und mit einer vitaminreichen und nicht zu kalorienreichen Ernährung. Das wird allerdings mit steigendem Alter immer schwieriger: Es addieren sich häufig eine sitzende und immer weniger aktive Lebensweise, ein langsamer Abbau der Muskulatur und in der Folge ein ganz allmählich sinkender Grundumsatz, und nur sehr wenige Menschen passen dann ihre Ernährung den neuen Bedingungen an. So addieren sich in diesen Jahren ein immer geringerer Grundumsatz und eine dauerhaft minimal zu reichliche Ernährung. Zunächst sind es nur wenige Pfunde zu viel auf den Hüften, die sich dann aber im Lauf der Zeit ansammeln: Mehr als die Hälfte aller Frauen in Deutschland ist mit 55 Jahren übergewichtig. Bei manchen Frauen gerät nach und nach der gesamte Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Diabetes, eine Verkalkung der Blutgefäße mit einem sehr deutlich ansteigenden Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Alzheimer sind die Folge.

Fehlen von Östrogen ist fatal

In dieser Situation kommt dem Fehlen von Östrogen eine fatale Rolle zu: In Anwesenheit ausreichender Mengen von Östrogen, also vor den Wechseljahren, können die Körperzellen die Kalorien aus der Nahrung besser in Energie umwandeln; dadurch bleiben weniger Energiequellen übrig, die dann in Fettsäuren umgewandelt, im Fettgewebe, aber auch in den Wänden der Blutgefäße und in der Leber als Speicherfett abgelegt und abgelagert werden. Östrogenmangel verhindert auch, dass gespeichertes Fett später wieder zur Energiegewinnung herangezogen und in Glucose umgewandelt wird. Deshalb sind diese Fettpolster im höheren Alter oft sehr hartnäckig. Auch können steigende Blutzuckerspiegel einen Diabetes mellitus mit all seinen Spätfolgen auslösen. Fehlt Östrogen, dann laufen alle diese Prozesse beschleunigt ab.

Aber so fatal wie das Fehlen von Östrogen sich auswirken kann, so effektvoll ist es, in dieser Situation die übliche Behandlung durch die Gabe von Östrogenen zu ergänzen. Viele Studien belegen das. In Anwesenheit von Östrogen können die meisten der beschriebenen Stoffwechselvorgänge wieder korrigiert werden. So haben Frauen, die einen Diabetes mellitus Typ II haben, auch ein stark erhöhtes Risiko, koronare Herzerkrankungen zu entwickeln. Wenn bei diesen Frauen das Östrogen medikamentös auf die früheren Werte angehoben wird, dann sinkt das Diabetes-Risiko um 40%. 

Ob der Diabetes schon eine ernsthafte Bedrohung für den Körper darstellt, wird heute nicht mehr anhand des Blutzuckers gemessen, sondern anhand des HbA1. Damit wird roter Blutfarbstoff bezeichnet, dessen Aufbau durch den erhöhten Zucker in einer  typischen Weise gestört wurde. Ziel jeder Diabetes-Behandlung ist es, den HbA1-Wert auf einen möglichst niedrigen Level zu senken. Mit Östrogen können bei bestehendem Diabetes die HbA1-Werte deutlich gesenkt werden, zusätzlich zu den Effekten, die mit anderen Behandlungsstrategien erzielt werden.

Außerdem kann mit einer Hormongabe der typische Umbau der Körperform vom Hüft- zum Bauchspeck oft verzögert oder verhindert werden. Das ist medizinisch sinnvoll, denn die Fettablagerungen im Bauchraum führen zu ständigen Entzündungsreaktionen im Organismus und werden - anders als der Hüftspeck - mit einer Vielzahl von Erkrankungen in Verbindung gebracht.

Allerdings sind Östrogene allein kein Geheimrezept, wie Prof. Neulen betonte: „Viel Bewegung und eine gesunde und möglichst nicht überschießende Ernährung sind das Fundament für eine andauernde Gesundheit auch nach den Wechseljahren. Man darf nicht glauben, dass es ausreicht, Hormone als Pflaster oder Tabletten zu nehmen und dann so unsportlich und mit reichlicher Nahrungszufuhr weiterzumachen wie bisher. Östrogene können das Gesundwerden unterstützen. Die Hauptarbeit bleibt aber in jedem Fall eine Umstellung der Lebensweise."

Quelle: Pressemitteilung des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. und der Frauenärztlichen BundesAkademie GmbH



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