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03.03.2016

Geburtsklinik in der Danakil-Wüste - Hilfe für genitalverstümmelte Mädchen und Frauen

Mitten in den endlosen Steppen und Steinwüsten im Norden Äthiopiens steht seit knapp einem Jahr eine Geburtsklinik mit 10 Betten. Sie ist in dieser Region die einzige professionelle Hilfe für Mädchen und Frauen, die im frühesten Kindesalter den Brauch der Genitalverstümmelung erleiden mussten. Der Berufsverband der Frauenärzte unterstützt dieses Projekt seit vielen Jahren. Auf dem FOKO 2016 in Düsseldorf, dem größten jährlichen frauenärztlichen Fortbildungskongress Deutschlands, berichtet San.-Rat Dr. med. Werner Harlfinger am Donnerstag, dem 3. März 2016, über das Projekt.

Die Geburtsklinik zeichnet sich durch mehrere Besonderheiten aus: Erstens wird sie nicht durch eine der großen Hilfsorganisationen gefördert, sondern ist Ergebnis des persönlichen Engagements des Abenteuerreisenden und Menschenrechts-Aktivisten Rüdiger Nehberg und seiner Frau Annette Nehberg-Weber mit ihrer Hilfsorganisation TARGET e.V..

Zweitens ist es der ausgesprochene Schwerpunkt dieses Projekts, den betroffenen Mädchen und Frauen eine medizinische Versorgung anzubieten, die in dieser Region oft lebensrettend ist, mit einer gynäkologischen Sprechstunde, einer Schwangerenvorsorge und der Betreuung während der Geburt bis hin zu Kaiserschnitten: Unter den hier lebenden Nomaden war die sogenannte "pharaonische" Verstümmelung üblich, bei der die Schamlippen eng aneinandergenäht wurden und eine natürliche und unkomplizierte Geburt aufgrund des Narbengewebes unmöglich wird. Viele Frauen tragen bei den Geburten schwerste Verletzungen davon, und sehr viele Babys sterben bereits während der Geburt.

Drittens setzen sich Annette und Rüdiger Nehberg seit Jahren bei den Stammesältesten und Islam-Gelehrten in Äthiopien mit Erfolg dafür ein, dass die Genitalbeschneidung als unislamisch verurteilt wird. Immer mehr Mädchen können in dieser weiten Region deshalb ohne diesen schwerwiegenden Eingriff erwachsen werden.

Und viertens engagiert sich der Berufsverband der Frauenärzte von Anfang an intensiv in diesem Projekt. Bereits mehrfach war der Vorsitzende des Landesverbandes Rheinland-Pfalz, San.-Rat Dr. med. Werner Harlfinger, vor Ort, um bei dem Aufbau der Geburtsklinik zu beraten und auch um Frauen in der Schwangerschaft zu betreuen. "Inzwischen wurden in der Klinik schon viele Babys geboren. Es ist unglaublich, wieviel Arbeit, Zeit, Geduld, Energie in diesem Projekt steckt, und es ist wunderbar zu sehen, dass das alles jetzt beginnt, Früchte zu tragen", stellt der Frauenarzt fest.

Zusammen mit dem Berufsverband der Frauenärzte baut TARGET e.V. derzeit ein Netz von erfahrenen Frauenärztinnen und Frauenärzten, aber auch von Hebammen und medizinischem Fachpersonal aus Deutschland auf, die sich über unterschiedliche Zeiträume ehrenamtlich in der Klinik engagieren und so den Betrieb dieses Projekts überhaupt ermöglichen. Auch die Fortbildung der äthiopischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegt in den Händen der ehrenamtlichen Fachkräfte aus Deutschland. "Ohne den Berufsverband der Frauenärzte, insbesondere das Engagement von Herrn Dr. Harlfinger, würde es dieses Hilfsprojekt und diese Klinik nicht geben", sagt Annette Nehberg-Weber. "Dass das Projekt den Mädchen und Frauen zugute kommt, dass diese jungen Mütter eine Chance auf eine sichere Geburt und ihre Babys die Chance auf einen guten Start in ihr Leben haben, ist von unschätzbarem Wert."

Quelle: Pressemitteilung des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. und der Frauenärztlichen BundesAkademie GmbH



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