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17.03.2016

HPV-Impfung jetzt - statt warten, bis der Krebs kommt

Die Impfung gegen den Krebs - so wird die Impfung gegen Humane Papilloma Viren (HPV) seit vielen Jahren bezeichnet. Bis zu 80% aller Frauen und Männer infizieren sich irgendwann in ihrem Leben mit einem HP-Virus: Die überwiegende Zahl der Krebserkrankungen am Gebärmutterhals, aber auch am Darmausgang, in der Mundhöhle und im Rachenraum wird durch Infektionen mit einem HP-Virus ausgelöst und kann durch eine Impfung verhindert werden. Das Virus wird durch Intimkontakte übertragen. Deshalb sollte die Impfung möglichst vor dem ersten Sex erfolgen; wenn bereits eine Infektion mit einem HP-Virustyp stattgefunden hat, ist die Impfung gegen diesen HPV-Typ wirkungslos.  Die übrigen im Impfstoff enthaltenen Antigen-Typen behalten aber ihre Wirksamkeit.

Auf dem FOKO 2016, dem größten jährlichen Fortbildungskongress für Frauenärzte, der vom 3. bis 5. März 2016 in Düsseldorf stattfindet, erläutert der Frauenarzt Dr. med. Michael Wojcinski, Sprecher der AG Impfen des Berufsverbandes der Frauenärzte, den aktuellen Stand.

HP-Viren sind weit verbreitet. Bis zu 80% aller Frauen und Männer infizieren sich irgendwann in ihrem Leben mindestens einmal mit einem solchen Virus; schon fünf Jahre nach dem Beginn ihrer sexuellen Aktivitäten sind 70% aller Frauen mit einem oder mehreren HPV-Typen infiziert. In den meisten Fällen heilen die Infektionen nach einigen Monaten folgenlos ab. Aber bei manchen Frauen ist das Immunsystem nicht in der Lage, die Viren erfolgreich zu bekämpfen; sie bleiben in der Schleimhaut des Gebärmutterhalses, seltener auch an anderen Stellen in der Intimregion oder auch in der Mundhöhle in den Zellen aktiv und verändern ihre Wirtszellen im Lauf der Jahre zu bösartigen Krebszellen, die in das Nachbargewebe eindringen und es zerstören. Da die Viren nicht in den Blutkreislauf gelangen, sondern im infizierten Gewebe lagern, ist es für das Immunsystem schwierig, Antikörper zu bilden und die Viren zu bekämpfen. Das gleiche gilt auch für Infektionen mit Papilloma-Viren, die keinen Krebs hervorrufen, sondern Warzen: Auch Warzen heilen meist nur im Lauf von vielen Monaten oder Jahren ab.

Impfen ist wie Anschnallen im Auto

Für viele Eltern ist der Gedanke an die HPV-Impfung schwierig. "Wir müssen das verstehen; das hat nichts damit zu tun, dass sie sich zu der Gruppe der esoterischen Impfgegner zählen und nur rechtsdrehendes Quellwasser bei Vollmond trinken würden", Dr. Wojcinski: "Die Impfung sollte abgeschlossen sein, bevor der erste Sexualkontakt stattfindet, und das empfohlene Impfalter wurde von 12 bis 17 Jahre auf jetzt 9 bis 17 Jahre verändert, wobei alle jungen Mädchen möglichst früh bis zum Alter von 14 Jahren geimpft sein sollten. Nach einer Impfung in jüngerem Alter ist die Antwort des Immunsystems besonders deutlich,  die Wahrscheinlichkeit eines bereits erfolgten Kontaktes mit einem HP-Virus noch gering  und es kann von einem sehr lang anhaltenden Schutz ausgegangen werden.  In diesem Alter sind die Mädchen aber noch Kinder, und es fällt ihren Müttern sehr schwer, sie sich schon als sexuell aktive junge Damen vorzustellen." 

Vielleicht steckt dieser Vorbehalt auch hinter der Tatsache, dass in Bayern in manchen ländlichen Gebieten nicht einmal 20% aller jungen Mädchen geimpft sind. "Die Mütter sollten wissen, dass sie ihre Töchter gefährden, wenn sie ihnen die Impfung vorenthalten. Es nützt ja nichts zu warten, bis es zu spät ist. Wenn ich mich ins Auto setze, schnalle ich mich ja auch sofort an und nicht erst dann, wenn ich zu einer Vollbremsung ansetzen muss", beschreibt der Frauenarzt die Situation. Geimpft wird beim Kinderarzt oder auch beim Frauenarzt, "wobei natürlich keine Frauenärztin und kein Frauenarzt ein junges Mädchen wegen einer Impfung gynäkologisch untersuchen muss", betont Wojcinski. "Diese Befürchtung muss die Mütter und ihre jugendlichen Töchter nicht von der Impfung abhalten."

Eine Ausnahme sieht Wojcinski: Die derzeitigen Standard-Impfstoffe schützen vor Infektionen mit den wichtigsten HP-Viren, den HPV-Typen 16 und 18, die etwa 70% aller Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses und einen großen Teil der Krebserkrankungen des Darmausgangs und in der Mundhöhle verursachen; einer der beiden verfügbaren Impfstoffe schützt darüber hinaus vor der Infektion mit zwei Virustypen, die Warzen im Intimbereich verursachen. Es wird allerdings erwartet, dass im Lauf des Jahres 2016 eine Impfstoff-Weiterentwicklung in Deutschland verfügbar sein wird: Dieser neue Impfstoff wird dann eine zusätzliche Immunität gegen fünf weitere HP-Viren erzeugen, die ebenfalls Krebs verursachen können und für weitere 15-20% aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind.

Bei sehr jungen Mädchen, bei denen der erste sexuelle Kontakt sicher noch länger als ein oder zwei Jahre auf sich warten lässt, kann deshalb die HPV-Impfung aufgeschoben werden, bis sie mit dem neuen Impfstoff durchgeführt werden kann. Der neue Impfstoff ist in seinen Bestandteilen identisch mit einem der beiden langjährig bewährten HPV-Impfstoffe; er enthält nur zusätzlich die Antigene von fünf weiteren Virusstämmen. Die wissenschaftliche Erprobung in großen Studien hat keinerlei Anzeichen für mögliche neue Nebenwirkungen erbracht. Der Impfstoff kann daher ab dem Tag seiner Markteinführung wie der bisherige Impfstoff eingesetzt werden.

"Für junge Mädchen, die noch nicht geimpft sind und die sich nicht sicher sind, ob sie nicht im Lauf dieses Jahres vielleicht doch ihre ersten intimen Erfahrungen machen wollen, empfehlen wir dagegen sehr dringend, mit der Impfung jetzt zu beginnen", so Dr. Wojcinski. Denn der Impfschutz ist erst vollständig nach zwei  Impfungen im Abstand von 6 Monaten, bzw. wenn die Impfung erst nach dem 14. Lebensjahr begonnen wird, nach drei Impfungen innerhalb von  6 Monaten.  Von der ersten Impfung an vergeht also mindestens ein halbes Jahr bis zum vollständigen Impfschutz.

Eine Warnung geben die Frauenärzte jedoch mit auf den Weg: Die HPV-Impfung schützt nur vor HPV-Infektionen. Sie schützt nicht vor anderen sexuell übertragbaren Erregern wie Chlamydien, die unfruchtbar machen können, vor Syphilis, Gonorrhoe und auch nicht vor dem HI-Virus. Vor all diesen Infektionen schützen auch weiterhin nur Kondome.  Trotz HPV-Impfung sollte auch weiterhin nicht auf die jährliche vorsorgliche gynäkologische Untersuchung  verzichtet werden.

Quelle: Pressemitteilung des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. und der Frauenärztlichen BundesAkademie GmbH 



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