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01.09.2014

HPV-Impfung auch bei Erwachsenen sinnvoll

Auch dann, wenn eine Frau oder ein Mann bereits sexuell aktiv ist und schon Infektionen mit dem Human-Papilloma-Virus (HPV) durchgemacht hat, kann eine HPV-Impfung noch sinnvoll sein. Denn HP-Viren sind in der Lage, das Immunsystem geschickt zu umgehen. Eine „natürliche" Infektion mit einem HP-Virus hinterlässt deshalb nur eine Immunität, die auf diesen einen Virustypus und wahrscheinlich auch nur auf das infizierte Areal begrenzt ist, aber keine dauerhafte Immunität des ganzen Organismus. Durch die Impfung dagegen wird eine anhaltende, sichere Immunabwehr aufgebaut, die bei jedem künftigen Kontakt mit den beiden Hochrisiko-Virustypen 16 und 18 davor schützt, dass sich aus diesem Kontakt noch eine Infektion, Krebsvorstufen und Krebs entwickeln. „Humane Papilloma-Viren sind sehr weit verbreitet", so Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. „Man nimmt an, dass im Alter zwischen 20 und 30 Jahren bis zu 20% aller Frauen, aber auch aller Männer vorübergehend HPV-positiv sind, oftmals wiederholt. In den meisten Fällen kann das Virus durch die örtliche Abwehr in der Schleimhaut ausreichend bekämpft werden; aber irgendwann kommt es dann in wenigen Fällen doch einmal zu einer Infektion, die auf lange Sicht gesehen bösartige Zellveränderungen hervorruft." Dabei handelt es sich nicht nur um Krebs des Gebärmutterhalses, der Vagina oder der Schamlippen, sondern auch in der Mundhöhle, am Penis oder am Darmausgang.

„Die Impfung schützt vor den durch das HP-Virus ausgelösten Krebserkrankungen", so Albring. „Leider wurden in Deutschland seit der Einführung der Impfung im Jahr 2007 erst 30 bis 40% aller Mädchen geimpft. Viele haben sich von der allgemeinen Impfmüdigkeit in Deutschland anstecken lassen und so die Fristen verpasst, in denen die Krankenkassen die Impfung bezahlen, nämlich derzeit im Alter von 14 bis 17 Jahren." Viele Krebserkrankungen könnte verhindert werden, so der Frauenarzt, wenn sich auch junge Erwachsene noch impfen ließen. „Nur vereinzelt bezahlen Krankenkassen die Impfung auch bis zum 26. Lebensjahr, wie die Techniker Krankenkasse und wenige regionale Krankenversicherer. Die Mitglieder dieser Krankenkassen sollten das Angebot unbedingt annehmen. Denn wir wissen heute, dass von 1000 Mädchen und Frauen, die nicht geimpft sind, im Lauf ihres Lebens zehn an einem Krebs des Gebärmutterhalses und ebensoviele an einem Krebs der Schamlippen erkranken werden; jede dritte von ihnen wird an dieser Erkrankung sterben. Mit der Impfung können wir etwa 70% bis 85% der Erkrankungen verhindern, nämlich diejenigen, die durch die HPV-Typen 16 und 18 hervorgerufen werden. Die Impfung schützt also definitiv 14 von 1000 Frauen davor, im Lauf ihres Lebens an einem Krebs durch HP-Viren zu erkranken, und vier von 1000 Frauen davor, an diesem Krebs zu sterben."

Quellen
Zentrum für Krebsregisterdaten, Robert-Koch-Institut LINK
Katalinic A, U Gerdeman, R Pritzkuleit. Aktuelle Zahlen zum Vulvakarzinom in Deutschland. 2013. Institut für Krebsepidemiologie an der Universität zu Lübeck, Registerstelle des Krebsregisters Schleswig-Holstein. LINK
Deutsche Krebsgesellschaft (Krebsarten A - Z, Gebärmutterhalskrebs) LINK
S3-Leitlinie Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien, AWMF LINK

© BVF 2014



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