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17.10.2011

Papillomviren als Hautkrebserreger unter Verdacht

Papillomviren können nicht nur Gebärmutterhalskrebs auslösen, sondern fördert möglicherweise auch die Entstehung von Hautkrebs. Die nun untersuchten Virentypen seien eng mit denen für Gebärmutterhalskrebs verwandt, sagte Prof. Lutz Gissmann vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg auf der 27. Konferenz zu Papillomviren am Montag in Berlin. „Aber der Wirkmechanismus ist ein anderer". Derzeit sind über 100 Typen der Papillomviren (HPV) bekannt. Einige stehen im Verdacht, auch bestimmte Formen von Hautkrebs auszulösen, ihre Rolle ist jedoch noch unklar.

In Tierversuchen fand die Forschergruppe um Gissmann nun Hinweise dafür, dass die Hautregionen der Tiere, die mit bestimmten beta-HPV-Genen versehen waren, nach Bestrahlung mit UV-Licht eine Vorform von hellem Hautkrebs (aktinische Keratose) entwickelten. Falls sich dieser Verdacht erhärten sollte, könnte in Zukunft die frühzeitige Impfung von Kindern Schutz bieten, sagte Gissmann. Auch Organtransplantierte, die bis zu 100 mal häufiger an hellem Hautkrebs erkranken als die Normalbevölkerung, könnten dann von einer Impfung vor der Transplantation profitieren.

Prof. Harald zur Hausen, der für seine Arbeiten über HPV-Viren 2008 den Medizin-Nobelpreis erhielt, forderte erneut, auch Jungen gegen HPV zu impfen „Ich glaube sogar, wenn wir nur Jungen impfen würden, wäre das ein besserer Schutz als nur Mädchen." Derzeit wird die Impfung für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren von den Krankenkassen bezahlt. „Nicht nur, dass geimpfte Männer ihre Partnerinnen nicht mehr infizieren - die Impfung bewirkt auch bei den Männern selbst einen hohen Schutzeffekt gegen Krebs der Genital- und Analregion - vorausgesetzt, sie wird früh genug verabreicht", sagte zu Hausen.

Entsprechende Daten stellte Anna Galliano vom Moffitt Center in Florida auf dem Kongress vor. An Gebärmutterhalskrebs, der zumeist durch die HPV-Viren 16 und 18 ausgelöst wird, erkranken in Deutschland pro Jahr etwa 6200 Frauen, 1700 sterben daran. Rund zwei Drittel der Erkrankten sind jünger als 59 Jahre, 20 Prozent sogar zwischen 15 und 39. Dennoch liegt laut zur Hausen die Durchimpfungsquote bislang nur bei rund 35 Prozent.

„Neue Studiendaten aus Australien haben bestätigt, dass die Impfung tatsächlich sehr sicher ist. Das ist vor Jahren in Deutschland ja noch in den Medien in Frage gestellt worden", ergänzte zur Hausen. „Jetzt müssen wir aber nicht nur die Öffentlichkeit noch stärker informieren, sondern auch die Ärzte."

Quelle: dpa



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