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26.05.2011

Diäten im Jugendalter steigern Risiko einer Essstörung

Für Kinder und Jugendliche sollten Diäten in der Regel tabu sein. „Wer in der Wachstumsphase die Nährstoffzufuhr einschränkt, wird später immer Probleme haben, sein Gewicht zu kontrollieren", sagte Reinhard Mann von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln im Gespräch mit dem dpa-Themendienst. Die Gefahr einer Essstörung sei umso größer, je jünger mit der ersten Diät begonnen wird, erklärte der Experte anlässlich des Anti-Diät-Tages am 6. Mai. Ausnahme sind Abspeck-Kuren, die aus ärztlicher Sicht wegen enormer Fettleibigkeit nötig sind - dann aber entsprechend betreut werden.

Generell seien Diäten auch für Erwachsene abzulehnen, bei denen pauschal auf bestimmte Nährstoffe verzichtet wird oder der Fokus auf nur einem Lebensmittel liegt. Bei extrem einseitigen Diäten könne der Versuch, nicht mit der Nahrung aufgenommene Stoffe aus körpereigenen Reserven zu bilden, sogar tödlich enden, warnte Mann. Kritisch sieht er auch sogenannte Reduktionsdiäten. Dabei wird die Energiezufuhr eingeschränkt. „Das kann an sich gut funktionieren", sagte Mann. Es berge aber gesundheitliche Gefahren. Je stärker reduziert wird, desto schwieriger lasse sich eine ausgewogene Ernährung einhalten. Die absolute Untergrenze der täglichen Energiezufuhr liege ohne fachliche Betreuung bei 1500 Kilokalorien.

Die Folge von Nährstoffmangel ist laut Mann Heißhunger - und damit das Gegenteil dessen, was man eigentlich erreichen will. Die Unterversorgung könne kurzfristig einen Kreislaufkollaps, rissige Haut oder spröde Fingernägeln verursachen. Auf lange Sicht drohten etwa Essstörungen oder - in besonders extremen Fällen - Skorbut in Folge von Vitaminmangel. Aus medizinischer Sicht sei eine Gewichtsreduktion erst ab einem Body-Mass-Index (BMI) über 25 ratsam, erläuterte Mann. Zumal die Diät in der Regel nicht der richtige Weg sei, um das eigentliche Ziel zu erreichen. «Die meisten wollen abnehmen, weil sie mit ihrem Körper nicht zufrieden sind.» Aber die Körperformung sei nicht mit Gewichtsabnahme zu regulieren, sondern mit Bewegungstraining.

Stark übergewichtigen Menschen empfiehlt er eine Kombination aus beidem. Viele vergessen dem Experten zufolge aber, dass die positiven Auswirkungen von Essen - wie das befriedigende Gefühl - anders erreicht werden müssen, um das psychische Gleichgewicht zu erhalten. Hilfreich sei eine Liste mit Dingen, die einem Freude bereiten. „Die meisten meinen, dass sie das gar nicht nötig haben."

Falsch sei es außerdem, bei der Diät aufs Tempo zu drücken. Im Frühling erst für die Bikinifigur im Sommerurlaub zu hungern, bringe nichts. Eine sinnvolle Ernährungsumstellung dauere etwa ein halbes Jahr. „Die Konsequenzen sieht man aber schon viel früher." Nach vier bis acht Wochen machten sich die Folgen vorm Spiegel bemerkbar - und sind dann auch schon für andere sichtbar.
Quelle: dpa



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