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Sexueller Missbrauch

Schutz vor sexuellem Missbrauch


Die meisten Mädchen und Jungen wagen nicht, offen über den sexuellen Missbrauch zu sprechen. Sie senden jedoch andere Signale aus oder versuchen sich an ein Gespräch heran zu tasten. Die Angst vor einem bestimmten Menschen, die Flucht vor körperlichen Begegnungen oder das Verlangen, sich mehrmals am Tag oder gar nicht mehr zu waschen, können Hinweise darstellen. Verletzungen im Genitalbereich sollte immer nachgegangen werden. In der Regel muss ein Kind bis zu sieben Anläufe unternehmen, bevor seine Signale von einem Erwachsenen verstanden werden.

Dennoch sind voreilige Schlüsse oder gar eine Anzeige unangebracht, da der Schaden für den Beschuldigten bei einem falschen Verdacht immens sein kann. Die Konfrontation der Eltern mit einem Verdacht kann dazu führen, dass das Kind massiv unter Druck gesetzt wird, wenn der Täter aus dem engeren Familienkreis stammt. Eine weitere Aufklärung kann damit zunichte gemacht werden. In jedem Fall ist bei einem vermuteten Missbrauch eine Beratungsstelle hinzuzuziehen. Entscheidend für die Kinder ist, dass ihnen geglaubt wird und dass sie Hilfe bei der Bewältigung des Erlebten erfahren. Stabile soziale Kontakte und emotional zugewandte Bezugspersonen können die Wirkung des Erlebten abschwächen - eine Beratung oder Therapie wird dadurch aber nicht ersetzt.

Der Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt fängt bei der Erziehung an. Eine sachliche Aufklärung über Fragen zur Sexualität und ein gestärktes Selbstbewusstsein sind die wichtigsten Maßnahmen. Kinder sollten das Gefühl haben, nicht abgewimmelt zu werden, sondern offen über sexuelle Themen sprechen zu dürfen. Außerdem ist es wichtig, dass sie darin bestärkt werden, den eigenen Gefühlen zu vertrauen, ihre individuellen Grenzen zu ziehen und „Nein" zu sagen. Das kann bereits beim ungewollten Küsschen der Tante anfangen. Mädchen und Jungen mit einem starken Selbstbewusstsein sind aus Tätersicht keine geeigneten Opfer.

Für die Prävention ist auch die Vorbildfunktion der eigenen Eltern und anderer Bezugspersonen von großer Bedeutung. Mädchen orientieren sich in erster Linie am Verhalten der Mutter. Je selbstbewusster diese als Frau auftritt und je deutlicher sie ihre eigenen Grenzen zieht, desto eher lernen ihre Töchter sich selbst zur Wehr zu setzen. Mütter sollten ihre Töchter dazu ermutigen, über ihren Körper selbst zu bestimmen. Jungen brauchen greifbare männliche Bezugspersonen, die ihnen als positive Vorbilder soziale Werte und Umgangsformen vorleben. Dabei sollte ihnen auch vermittelt werden, dass auch ein Junge Gefühle zeigen darf und nicht immer stark sein muss, sondern Ängste formulieren und Hilfe in Anspruch nehmen darf.

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