Sexueller Missbrauch
Die Opfer
Etwa drei Viertel der Opfer sexueller Gewalt sind Mädchen. Vor allem ruhige, brave Kinder sind gefährdet, weil sie als leichte Opfer erscheinen und nicht gelernt haben, „Nein" zu sagen. Selbst bei einem deutlichen Widerspruch deuten die Täter aber ein „Nein" häufig für sich in ein „Eigentlich ja" um oder übergehen es gänzlich. Bei kleinen Mädchen, die sich noch nicht einmal bewusst sind, was mit ihnen geschieht, haben die Täter noch leichteres Spiel und bezeichnen ihre Opfer als „kleine Püppchen" oder „Prinzessinnen", die sie nach Belieben benutzen dürfen. Behinderte Kinder sind aufgrund besonderer Abhängigkeitsverhältnisse überproportional häufig Opfer eines Missbrauchs.
Dass auch Jungen Opfer sexueller Gewalt werden können, war lange nicht hinreichend bekannt. Die meisten Jungen, die sexuelle Gewalt erfahren haben, fallen zunächst nicht auf. Viele werden still und ziehen sich zurück. Manche Jungen arbeiten erlebte sexuelle Gewalt auf, indem sie in die Täterrolle schlüpfen (Reinszenierung) und ebenfalls sexuelle Übergriffe auf jüngere Mädchen oder Jungen begehen. Diese Reaktion tritt allerdings nicht zwangsläufig ein. Missbrauchte Jungen, die Täterverhalten zeigen, sollten unbedingt Hilfe erhalten - ohne, dass ihre Taten entschuldigt oder bagatellisiert werden.
Frauen und Mädchen, die in ihrer Vergangenheit Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch gehabt haben und für die ein Arztbesuch bzw. eine gynäkologische Untersuchung problematisch ist, sollten sich an eine/n Gynäkologin/en wenden, die/der eine psychosomatische und psychotherapeutische Zusatzaufbildung absolviert hat bzw. dies als Schwerpunkt („Psychosomatischer Grundversorgung") anbietet. Solche Ärzte/innen sind besonders geschult, um auf die seelischen Belastungen und Störungen von Patientinnen einzugehen und diese beim Gespräch und/oder bei der Untersuchung besonders zu berücksichtigen.





