Frauenärzte im Netz


Hormonersatztherapie

Nutzen und Risiken


Fest steht, dass Wechseljahresbeschwerden wie nervöse Unruhe, Hitzewallungen, Schlafstörungen und andere typischen Symptome, welche die Lebensqualität von Frauen teilweise erheblich beeinträchtigen, durch eine Hormonersatztherapie ursächlich schnell und effektiv behandelt werden können. Auf der anderen Seite existieren - wie bei fast allen medikamentösen Behandlungen - verschiedene Risiken, die eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung notwendig machen. In der Vergangenheit haben sich verschiedene Konstellationen herauskristallisiert, bei denen eine Hormonbehandlung einen deutlichen Nutzen hat oder aber nur in Ausnahmefällen in Erwägung gezogen werden sollte. So ist belegt, dass eine Therapie bei ausgeprägten Beschwerden allgemein einen besonders großen Nutzen hat, wenn sie früh, mit dem Eintritt der Wechseljahre, begonnen wird.

Bei frühem Beginn konnten neben der Linderung der Wechseljahresbeschwerden verschiedene Zusatzwirkungen beschrieben werden, die einen günstigen Einfluss auf den weiblichen Organismus haben. Unumstritten ist beispielsweise der präventive Einfluss auf Osteoporose, der umso ausgeprägter ist, je früher die Behandlung beginnt. In einigen Studien wurde deutlich, dass das Risiko für koronare Herzerkrankungen (z.B. Arteriosklerose, Herzinfarkte) und für die Demenzerkrankung Morbus Alzheimer bei gesunden Frauen sinkt, die vor dem 60. Lebensjahr mit dem Hormonersatz beginnen. Im Rahmen der Woman´s Health-Initiative-Studie (WHI) zeigte sich beispielsweise, dass das Infarkt-Risiko um 44% und die Verkalkung der Herzkranzgefäße (Arteriosklerose) um 50% gesenkt werden konnte. Diese Wirkungen stellen jedoch nur auf Wunsch der Patientin eine Indikation dar, um, vorbeugend eine HRT zu beginnen.

Wiederum zeigte eine andere Studie, dass Frauen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, hinsichtlich koronarer Herzerkrankungen nicht von einer HRT profitieren. Auch bei Patientinnen, die erst ab dem Alter von 65 Jahren mit Hormonersatz beginnen, wird eine Hormonbehandlung nur ausnahmsweise und unter strenger Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen. Für Patientinnen ab 70 Jahren, so haben es die Studien gezeigt, steht den Vorteilen ein erhöhtes Schlaganfall- und Thrombose-Risiko gegenüber, das sorgfältig ausgeschlossen werden muss.

HRT und Brustkrebs

Der Zusammenhang zwischen einer Hormonersatzbehandlung und Brustkrebs (Mammakarzinom) wurde in der Vergangenheit tiefergehend untersucht. Dabei versuchte man unter anderem der Frage nachzugehen, ob eine HRT einen Tumor auslöst oder bereits bestehende Tumore in ihrem Wachstum gefördert werden. Auch die Ergebnisse der jüngsten Untersuchung in Deutschland deuten eher auf Letzteres hin. Demnach werden offenbar nur solche Tumoren durch eine HRT in ihrem Wachstum gefördert, deren Zellwachstum durch Hormone stimuliert wird - so genannte Hormonrezeptor-positive Tumoren.

Ein erhöhtes Auftreten von Mammakarzinomen wurde bei diesen Frauen unter länger dauernder Therapie beobachtet. Dabei wurde auch deutlich, dass sich Nutzen und Risiken von Hormonen hinsichtlich des Brustkrebsrisikos bei Langzeittherapie im Hinblick auf die Darreichungsform und die Art der Gestagene stark unterscheiden können. Beispielsweise scheinen eine alleinige Therapie mit Östrogenen sowie die Kombinationsbehandlung mit Östrogenen und natürlichen Progesteron-Abkömmlingen mit einem geringeren Brustkrebsrisiko einherzugehen als die kombinierte Behandlung mit Östrogenen und synthetischen Gestagenen. Auch innerhalb der synthetischen Gestagene konnten solche mit einem geringen und solche mit mehr Risiken unterschieden werden. Zudem gibt es Hinweise, dass die Verabreichung der Östrogene über die Haut günstig ist. Diese Erkenntnisse können bei der individuellen Verschreibung berücksichtigt werden und somit Risiken ein Stück weit verringern.

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