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Zellauffälligkeiten am Gebärmutterhals


21.01.2014

Humane Papillomviren (HPV) sind die Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs und seine Vorstufen

Es sind über 100 verschiedene Humane Papillomviren-Typen (HPV-Typen) bekannt, von denen über 30 den Gebärmutterhals, die Scheide und den äußeren Genitalbereich befallen können.
Die HP-Viren werden in zwei Gruppen unterteilt:

  • Niedrig-Risiko-Typen, die in der Regel keinen Krebs verursachen aber harmlose Genitalwarzen - so genannte Condylome - hervorrufen können.
  • Hoch-Risiko-Typen, die Veränderungen an Zellen hervorrufen, die eine Krebsvorstufe am Gebärmutterhals darstellen und sich später zu einem Krebs entwickeln können.

Die Viren werden durch direkten Haut- oder Schleimhautkontakt, meist beim Geschlechtsverkehr übertragen. Etwa 80% aller sexuell aktiven Menschen machen mindestens einmal in ihrem Leben eine HPV-Infektion durch. Diese wird nur in sehr seltenen Fällen von Symptomen begleitet. Bei 60 bis 90% der infizierten Frauen heilen die Infektionen in einem Zeitraum von bis zu 2 Jahren ohne Therapie und ohne Folgen aus. Etwa 10 bis 40% der betroffenen Frauen bleiben dauerhaft infiziert und wiederum 10 bis 50% von ihnen können Zellveränderungen am Gebärmutterhals entwickeln, aus denen sich nach fünf bis 10 Jahren Krebs bilden kann. Gebärmutterhalskrebs ist also eine sehr seltene Folge einer sehr häufigen Infektion.
Je jünger die Frau bei der Infektion ist, umso wahrscheinlicher ist diese natürliche Ausheilung. Wurde einmal eine HPV-Infektion durchgemacht, ist eine erneute Infektion mit dem gleichen Virus unwahrscheinlich, kann aber nicht völlig ausgeschlossen werden.

Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen (Pap-Test) spüren Zellveränderungen, Krebsvorstufen und Krebs am Gebärmutterhals auf

Die Untersuchung zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs besteht in dem so genannten Pap-Abstrich bzw. Pap-Test, der ab dem 20. Geburtstag als Teil des gesetzlichen Krebsfrüherkennungs-Programms jährlich empfohlen wird.

  • Weil sich Krebs am Gebärmutterhals über einen sehr langen Zeitraum entwickelt, haben Frauen, die regelmäßig (einmal jährlich) zur Krebsvorsorge gehen, eine gute Chance, dass die Erkrankung bzw. Ihre Vorstufen mit Hilfe des Pap-Tests frühzeitig erkannt und behandelt werden können (= sekundäre Krebsvorbeugung).
  • Die Verhinderung einer großen Zahl von Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen und deren Vorstufen durch die HPV-Impfung (= primäre Krebsvorbeugung) ist zusätzlich zur Krebsfrüherkennungs-Untersuchung die beste Strategie.
  • Frauen, die sich gegen die beiden krebsauslösenden HP-Viren 16 und 18 haben impfen lassen, sollten also weiterhin die jährlichen Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen wahrnehmen, da die Impfung nicht vor allen gefährlichen HP-Viren schützt!

Bei einem Pap-Abstrich werden einzelne Zellen vom Arzt mit Hilfe eines Spatels vorsichtig vom Muttermund und mittels einer kleinen Bürste aus dem Gebärmutterhalskanal entnommen und im Labor untersucht. Anhand des Pap-Befundes kann beurteilt werden, ob Zellveränderungen vorliegen und wie stark sie ausgeprägt sind.

 

 

Pap-Test - Was bedeuten die Ergebnisse? (auf Link klicken) 


Viel kann eine Frau nicht dazu beitragen, dass eine bestehende HPV-Infektion "abheilt"

Allerdings wird ein häufigeres Auftreten von auffälligen Pap-Abstrichen bei Raucherinnen, bei hoher Schwangerschaftszahl, bei langdauernder Einnahme der Antibabypille, schlechter Immunabwehr und bei häufigen anderen genitalen Infektionen gesehen. Deshalb sollte man möglichst nicht rauchen, für einen geregelten Schlaf sorgen, sich keiner dauernden Stressbelastung aussetzen, sich körperlich nicht überfordern und bei Verdacht auf andere Infektionen in der Scheide eine abklärende Untersuchung beim Gynäkologen anstreben.


Auffällige Pap-Befunde (chronische PAPIII, PAPIIID, PAPIV) werden mittels Biopsie oder Konisation abgeklärt und die Ergebnisse als so genannte CIN-Stadien (cervikale-intraepitheliale-Neoplasien) definiert

Während beim Pap-Test nur lose, oberflächliche Zellen untersucht werden, wird bei der Einschätzung von CIN (cervikale-intraepitheliale-Neoplasien) ein Schnitt durch die Schleimhaut des Gebärmutterhalses angefertigt, so dass alle Schleimhautschichten von der Oberfläche bis in die Tiefe untersucht werden können.
Um dafür Gewebe vom Muttermund und/oder dem Gebärmutterhalskanal zu gewinnen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die kolposkopisch gezielte Biopsie und/oder Konisation

 Je nachdem wie weit fortgeschritten die Zellveränderungen sind, unterscheidet man die CIN-Stadien (auf Link klicken)

Biopsie:
Es handelt sich um einen relativ kleinen Eingriff, der ambulant durchgeführt werden kann und meist dann erfolgt, wenn sich der verdächtige Bereich auf den Muttermund beschränkt. Dabei wird mit Hilfe einer Lupe (Kolposkopie) gezielt verdächtiges Gewebe zur Untersuchung und Einteilung in die CIN-Klassifikation entnommen. Bei unklaren Befunden oder verdächtigen Bereichen die im Gebärmutterhals liegen und mit Hilfe der Lupe nicht einsehbar sind, wird eine Konisation durchgeführt. 

Konisation - Dieser Eingriff dient zur Diagnostik und stellt in vielen Fällen zugleich die Therapie dar:
Es handelt sich um einen relativ komplikationslosen Eingriff, der von der Scheide her erfolgt. Er wird unter Vollnarkose ambulant oder in kurzdauernder stationärer Behandlung durchgeführt. Bei diesem Eingriff wird ein kegelförmiges Gewebestück aus dem Muttermund und dem Gebärmutterhals entfernt. Die Entnahme erfolgt mittels Laser oder einer elektrischen Drahtschlinge (Hochfrequenz-Schlinge). Um die Schnittränder soll dabei einen Rand gesunden Gewebes verbleiben (dysplasiefrei). Wurden die verdächtigen Bezirke im dysplasiefreien, gesunden Gewebe entfernt, ist keine weitere Therapie mehr notwendig.
Mit der Konisation erfolgt immer auch eine Ausschabung der Gebärmutterschleimhaut (Kürettage), um mögliche Ausdehnung der bösartigen Veränderungen auf den Innenraum der Gebärmutter ausschließen.


Reicht die Konisation nicht aus um das komplette veränderte Gewebe zu entfernen werden andere bzw. weitere Operationen notwendig. In vielen Fällen kann jedoch Gebärmutter-erhaltend operiert werden

Je nach dem Ausmaß des veränderten Gewebes kommt unter Umständen eine Teil-Entfernung der Gebärmutter in Frage - insbesondere dann, wenn bei der Patientin noch ein Kinderwunsch besteht. Bei dieser so genannten Trachelektomie wird von der Scheide aus der Muttermund vollständig entfernt.
Zeigt sich, dass der Krebs schon in tiefere Gewebeschichten vorgedrungen ist, so ist meist eine vollständige Entfernung der Gebärmutter notwendig, eine so genannte Hysterektomie. Bei einer einfachen Hysterektomie erfolgt der Eingriff durch die Scheide (vaginale Hysterektomie).
Je nach Ausdehnung des Tumors müssen möglicherweise auch der komplette Halteapparat der Gebärmutter, ein Bereich der oberen Scheide und das seitliche an die Gebärmutter abgrenzende Bindegewebe samt der Lymphabflusswege sowie die Lymphknoten entfernt werden ( Wertheim-Meiks-Operation). Die Erholungszeit nach einer solchen großen Krebsoperation ist ungleich länger als nach einer einfachen vaginalen Hysterektomie.

Im Rahmen der Operation wird überprüft, ob sich die Krebserkrankung bereits auf die Nachbarorgane ausgedehnt hat. Wenn sich der Tumor auf die Blase und den Darm ausgedehnt hat, müssen unter Umständen auch diese Organe entfernt und teilweise rekonstruiert werden.

In wenigen Fällen wird zusätzlich noch eine Strahlentherapie notwendig

Im Anschluss an diese Operationen wird bei manchen Patientinnen (mit bestimmten Risikofaktoren oder starkem Tumorbefall) zusätzlich eine Strahlentherapie durchgeführt. Dadurch möchte man eventuell im Körper verbliebene Tumorzellen vernichten und somit das Risiko eines Krankheitsrückfalls (Rezidiv) zu senken.

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