Eileiterentzündung
Therapie
Wegen der Gefahr von Verwachsungen und dem hohen Risiko von Unfruchtbarkeit muss die Infektion frühzeitig und konsequent behandelt werden. Ebenso wird meist ein Krankenhausaufenthalt angeraten. Denn in den ersten Tagen gilt unbedingte Bettruhe. Bis eine akute Entzündung abklingt, vergehen gewöhnlich ein bis zwei Wochen.
Bis die Erreger im Labor bestimmt sind, bekommen die Patientinnen ein Breitspektrumantibiotikum - ein gegenüber mehreren Erregern wirksames Präparat. Liegt das Ergebnis der Erreger- und Resistenzbestimmung vor, stellt man auf das am besten wirksame Antibiotikum um. Die spezifische Antibiotikabehandlung z. B. von Chlamydien sollte immer auch eine zeitgleiche Behandlung des Partners einschließen, da andernfalls genitale Infektionen wieder auftreten können. Neben Antibiotika werden antiphlogistisch wirksame Medikamente eingesetzt. Sie wirken dem Entzündungsprozess entgegen und sind zudem schmerzlindernd. Dazu gehören Substanzen aus der Gruppe der so genannten nicht-steroidalen Analgetika, kurz NSAR, wie beispielsweise Diclofenac. Zur Behandlung von Unregelmäßigkeiten der Regelblutung können Hormonpräparate eingesetzt werden. Die Anwendung von Kortikoiden wie Prednisolon ist umstritten.
Ein Eisbeutel auf dem Unterbauch lindert nicht nur die Schmerzen. Die Kälte wirkt auch der entzündlich bedingten Durchblutungssteigerung entgegen und beugt so der weiteren Ausbreitung der Entzündung vor. Die Ernährung sollte möglichst leicht und zudem reich an Flüssigkeiten sein.
Nach Abklingen des akuten Stadiums wird die physikalische Therapie dann umgestellt: Von der Kälteanwendung, die eine Durchblutungsabnahme im entzündeten Gebiet zum Ziel hatte, auf eine Wärmebehandlung, die eine milde Durchblutungssteigerung bewirkt. Dies ist sinnvoll, um das entzündlich veränderte Gewebe abzubauen und späteren Vernarbungen entgegenzuwirken.
Zur Wärmebehandlung kommen feucht-warme Umschläge auf dem Unterbauch oder Sitzbäder zur Anwendung. Eine weitere Möglichkeit ist die Kurzwellendiathermie, bei der Gewebe durch das Anlegen eines elektromagnetischen Feldes erwärmt wird. Die wärmenden Verfahren dürfen allerdings nur eingesetzt werden, wenn sich kein Hinweis auf einen erneuten entzündlichen Prozess findet. Dazu müssen unter anderem die Körpertemperatur und die Blutsenkungsgeschwindigkeit regelmäßig überprüft werden. Erfolgt die Umstellung auf eine Wärmebehandlung zu früh, besteht die Gefahr eines Rezidives, eines Rückfalls. Bei Patientinnen, deren Adnexitis sich im chronischen Stadium befindet, ist ein Kuraufenthalt mit Moorbädern und Fangopackungen zu empfehlen.
Zeigen die genannten konservativen Maßnahmen keinen Erfolg, erfolgt eine operative Behandlung. Im akuten Stadium der Adnexitis ist diese immer dann notwendig, wenn sich Komplikationen in Form eines so genannten akuten Abdomens ergeben. Dazu gehören Bauchfellentzündung (Peritonitis), Darmverschluss (Ileus), oder Appendizitis, umgangssprachlich Blinddarmentzündung genannt. Haben sich Abszesse in der Bauchhöhle gebildet, müssen diese durch eine Punktion möglichst schnell beseitigt werden.
Im chronischen Stadium werden Operationen nötig, wenn trotz physikalischer Therapiemaßnahmen keine Beschwerdefreiheit erzielt werden kann. Dann kann auch eine Entfernung der Eileiter oder auch der Eileiter, der Eierstöcke sowie der Gebärmutter gemeinsam erforderlich werden, um Beschwerdefreiheit zu erreichen. Durch eine Operation kann sich jedoch die Wahrscheinlichkeit für eine spätere Schwangerschaft verringern. Bleibt ein Kinderwunsch länger als 1,5 bis 2 Jahre unerfüllt, sollte rechtzeitig die Hilfe von Reproduktionsmedizinern gesucht werden. Diese können mit Hilfe spezieller Techniken, wie der in-vitro-Fertilisation, auch bei zerstörter Eileiterfunktion eine Schwangerschaft herbeiführen.





