Frauenärzte im Netz

Der Mutterpass

Doppelseiten 7 und 8: Gravidogramm


Hier werden alle Untersuchungen, die im Verlauf der Schwangerschaft gemacht werden, übersichtlich eingetragen. Die erste Spalte wird auf die Eintragung des Untersuchungsdatums verwendet. In die Spalten 2 und 3 werden das angenommene und - falls es nötig wird - die korrigierte Schwangerschaftswoche (SSW) eingetragen. Der Eintrag 15 + 3 würde dabei bedeuten, die Schwangerschaft befindet am dritten Tag der 16. Woche.

In den weiteren Spalten dokumentiert der Arzt die Entwicklung der Schwangerschaft bzw. des Kindes und das Befinden der Schwangeren:

Fundusstand

Abkürzende Bezeichnung für Symphysen-Fundusabstand. Dieser Begriff benennt den oberen Gebärmutterrand, welcher sich im Lauf der Schwangerschaft immer weiter nach oben verschiebt. Der Arzt oder die Hebamme stellen die Höhe der Gebärmutter durch Tastuntersuchung fest, wobei mit einem Querfinger als Maßeinheit gemessen wird, ob sich die Gebärmutter auf Höhe des Schambeinknochens (Symphyse=S), am Nabel (N), oder am Rippenbogen (Rb) befindet. Zu Beginn der Schwangerschaft könnte der Eintrag lauten: S+4 Querfinger (QF), im weiteren Verlauf beispielsweise N+2 QF und noch später Rb-2 QF.

Kindslage

Die Lage des Kindes ist besonders um den Geburtstermin herum von Bedeutung, da sie entscheidend für die Geburt ist. Es wird notiert, ob es mit dem Schädel nach unten in der Gebärmutter liegt, sich in Quer- oder Seitenlage befindet oder mit dem Becken oder Steiß nach unten zeigt. Die Ergebnisse werden abgekürzt: Schädel-Lage = SL; Becken-Endlage oder Steißlage = BEL; Querlage = QL. Die Kindslage ist frühestens ab der 26. Schwangerschaftswoche von Bedeutung, da sich das Kind vorher noch häufig dreht.

Herztöne

In diese Spalte wird die Pulsfrequenz (also die Häufigkeit der Herzschläge pro Minute) des Babys eingetragen. Erhoben werden die Daten per Stethoskop oder über das Ultraschallgerät, wenn der Herzschlag hier sichtbar ist. Das Baby hat mit 120 bis 160 Schlägen pro Minute einen sehr viel schnelleren Puls als Erwachsene.

Kindsbewegungen

Dokumentiert werden in dieser Spalte die Angaben der werdenden Mutter zu den Bewegungen ihres Kindes. Die meisten Frauen spüren in der 18. bis 20. Woche zum ersten Mal ihr Kind. Der Arzt oder die Hebamme können aus der Aktivität des Ungeborenen u.a. auf dessen Entwicklung sowie auf den voraussichtlichen Geburtstermin rückschließen.

Ödeme/Krampfadern (Varizen/Varikosis)

Wasseransammlungen im Gewebe oder Krampfadern geben Hinweise auf das mütterliche Befinden und werden dokumentiert.

Gewicht

Die Entwicklung des Körpergewichts der Mutter ist ein Parameter, dem in der Schwangerschaft Beachtung geschenkt wird. Ist die Mutter untergewichtig, könnte die optimale Versorgung des Kindes mit Nährstoffen nicht gewährleistet sein. Eine zu schnelle Gewichtszunahme bzw. Übergewicht sind Risikofaktoren für eine schwangerschaftsspezifische Erkrankung (Präeklampsie, Gestose, Schwangerschaftsdiabetes).

RR (Blutdruckmessung)

RR ist die Bezeichnung für die Blutdruckmessung mittels Riva-Rocci-Apparat, also dem klassischen Quecksilbermanometer mit aufblasbarer Armmanschette In der Schwangerschaft ist ein etwas erhöhter Blutdruck gegenüber den Messergebnissen außerhalb einer Schwangerschaft völlig normal. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel fällt der Blutdruck normalerweise leicht ab. Da ein Ansteigen des Blutdruckes auf eine beginnende Erkrankung der Schwangeren (Gestose) hinweisen kann, wird er regelmäßig kontrolliert. Ein Wert um 100/70 und unterhalb zeigt einen niedrigen Blutdruck, ab 140/90 würde man von einem Bluthochdruck sprechen. Beachtung findet aber auch die Tendenz des Blutdrucks, also steigt er eher oder sinkt er.

Hb (Hämoglobin)

Mit dem Hb-Wert wird der Blutfarbstoffgehalt angegeben, was Rückschlüsse auf den Eisengehalt zulässt. Dies ist für den Sauerstofftransport im Blut von großer Bedeutung. Der Hb-Wert sinkt im Verlauf der Schwangerschaft. Liegt der Wert unter 12,0 wird die Einnahme von Eisenpräparaten empfohlen, um die Sauerstoffversorgung des Kindes zu gewährleisten.

Sediment / ggf. bakteriologischer Befund

In der Schwangerschaft wird regelmäßig der Urin untersucht. Die Ergebnisse werden in dieser Spalte eingetragen. Dabei können Eiweiße, Nitrit oder Blut im Urin Anzeichen einer Erkrankung (Blasenentzündung, Nierenprobleme) sein. Bakterien deuten ebenfalls auf eine Infektion (Blasenentzündung) hin. Findet sich Zucker im Harn, weist dies auf einen Schwangerschaftsdiabetes hin. Eine Erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen ist ein Hinweis auf eine vorliegende Entzündung.

Vaginale Untersuchung

Hier werden die vaginalen Tastbefunde des Arztes eingetragen, z. B. der Zustand des Muttermundes (also die Öffnung der Gebärmutter) sowie des Gebärmutterhalses (Fachbegriff: Cervix). Dokumentiert werden dabei Länge, Festigkeit und Stand der Cervix. Bei der vaginalen Untersuchung kann auch etwas Sekret aus der Scheide entnommen werden, das anschließend unter dem Mikroskop beurteilt wird. Säuregehalt (pH-Wert) und Bakterien geben Hinweis auf eine eventuell drohende Frühgeburt.

Risiko-Nr. nach Katalog B

Hierin werden Besonderheiten vermerkt, die zur Beurteilung einer Risikoschwangerschaft dienen, z. B. psychische oder physische Belastungen der Mutter oder eine Neigung zur Plazentainsuffizienz.

Besonderheiten/Therapie/Maßnahmen

Weitere Untersuchungen, die der Arzt bei Indikation veranlasst, können hier vermerkt werden. Dazu gehören Verfahren zur Feststellung eines Chromosomenschadens beim Ungeborenen wie beispielsweise eine Chorionzottenbiopsie (ab 10.-12. Woche), Amniozentese (Fruchtwasserdiagnostik, ab 14.-18. Woche), Bestimmung des Alpha-Feto-Protein-Spiegels (überdurchschnittl. Wert: Hinweis auf Spina bifida; sehr niedriger Wert: evtl. Down-Syndrom), Triple-Diagnostik (statistischer Wert zur Abschätzung des Risikos für ein Down Syndrom), besser noch die selbstzuzahlende NT-Messung,  Amnioskopie (Fruchtwasserspiegelung, gegen Ende der Schwangerschaft; dient der Erkennung von Fruchtwasserverfärbungen).

Lassen Sie sich über die Aussagefähigkeit und das Risiko eines Testes für das Kind zuvor von Ihrem Frauenarzt aufklären. Er kann sie bei einem Test beraten und begleiten. Eine Entscheidung müssen am Ende Sie selbst treffen. Es ist unbedingt notwendig, vor einem Test zu überlegen, welchen Einfluss das eine oder andere Ergebnis auf Ihre Entscheidung gegenüber dem Fortführen der Schwangerschaft hätte. Bedenken Sie auch, dass Sie bei manchen Tests in die Situation kommen können, rein auf Grund einer gewissen Wahrscheinlichkeit über das Leben Ihres Kindes zu entscheiden. Hat eine mögliche Behinderung Ihres Kindes für Sie keine Auswirkung, sollten Sie überlegen, ob Sie sich die Belastung eines Tests und das oft nervenzehrende Warten auf das Ergebnis ersparen. Manche Methoden bergen trotz alle Sorgfalt des durchführenden Arztes eine Gefahr der Verletzung des Ungeborenen bzw. einer Fehlgeburt. Verständlicherweise ist es für viele Menschen wichtig, Gewissheit zu haben. Überlegen Sie in Ruhe und sprechen Sie mit Ihrem Partner oder vertrauten Personen.

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