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Cytomegalie (Zytomegalie)

Was ist Cytomegalie (Zytomegalie)


 
Das Cytomegalievirus (CMV)
stammt aus der Familie der Herpesviren
Eine Cytomegalie (auch Zytomegalie) ist eine Erkrankung, die durch eine Infektion mit dem Cytomegalovirus (auch Cytomegalievirus genannt, abgekürzt CMV) verursacht wird.

Der Name, der sich aus den griechischen Begriffen kytos = Zelle und megalo = groß ableitet, beschreibt die charakteristische Wirkung des Virus: Die Vergrößerung der infizierten menschlichen Zellen. Die deutsche Bezeichnung Einschlusskörperchenkrankheit deutet ebenfalls auf die krankhafte Zellveränderung durch das Virus hin.

Das Cytomegalovirus ist eins von acht humanen Herpesviren (HHV) und wird daher als HHV-5 bezeichnet. Seine Entdeckung erfolgte in den 1950ger Jahren. Es handelt sich um relativ große DNA-Viren, d.h. erbguttragende Viren, mit einer Lipidhülle, die labil, also sehr empfindlich, sind.

Wie alle Herpesviren verbleibt das Cytomegalovirus nach der ersten Infektion lebenslang im Körper. Diese verläuft bei Menschen mit stabilem Immunsystem in den meisten Fällen mild oder vollkommen unbemerkt.

Allerdings sind die Gefahren einer Cytomegalie während einer Schwangerschaft für das Ungeborene bzw. Neugeborene wenig bekannt bzw. weithin unterschätzt. So ist ein CMV-Test während der Mutterschaft bislang nicht obligatorisch, die Kosten werden von den Krankenkassen nicht übernommen. 

Die Infektion kann sich bei den betroffenen Kindern beispielsweise mit einer Vergrößerung von Leber und Milz, Blutarmut, Blindheit oder Taubheit, vermindertem Kopfumfang, Verkalkungen im Gehirn und Entwicklungsverzögerungen auswirken.

Außerdem können Erwachsene mit einem geschwächten Immunsystem - beispielsweise nach Organtransplantationen, Tumorerkrankungen oder Infektion mit dem AIDS-Virus - einen schweren Krankheitsverlauf erleiden. Nach Organtransplantationen wird bei mehr als der Hälfte der Patienten eine Vermehrung des Virus im Blut festgestellt.

Häufig werden Lunge, Leber, Augen und der Magen-Darm-Trakt in Mitleidenschaft gezogen. Ist das Abwehrsystem hochgradig geschwächt, muss sogar mit einem tödlichen Verlauf gerechnet werden.

Die Therapie erfolgt über zwei medikamentöse Ansätze, die die Viren bekämpfen sollen.

Die Durchseuchung mit dem Virus beträgt in den westlichen Industrieländern etwa 40 bis 80% - in Entwicklungsländern sogar bis zu 100%.

Die Verbreitung korreliert mit der Bevölkerungsdichte und den Lebensumständen. Frauen der Mittel- und Oberschicht kommen seltener mit dem Virus in Kontakt als andere Bevölkerungsschichten und tragen somit ein höheres Risiko sich vor oder während der Schwangerschaft anzustecken.  

1 bis 2% aller Frauen infiziert sich während der Schwangerschaft das erste Mal mit dem Cytomegalovirus. 1 bis 2% der werdenden Mütter, die das Virus bereits in sich tragen, machen eine erneue Infektion durch.

In nahezu der Hälfte der Fälle geht die Erstinfektion von der Mutter auf das Kind über. Etwa 30% dieser Babys kommen mit Krankheitsanzeichen auf die Welt, bei weiteren werden Spätfolgen festgestellt. Auch die Reinfektion der Mutter kann zu einer Ansteckung des Kindes und Spätschäden führen.

Cytomegalie ist mit 1% aller neugeborenen Kinder die häufigste übertragene vorgeburtliche Erkrankung. Damit ist die Ansteckungsrate sogar höher als bei Röteln und Toxoplasmose. Embryopathien, d.h. Schädigungen des weniger als 4 Monate alten Fetus, sind meldepflichtig.

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