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Brustkrebs

Therapie - medikamentös


Das Grundprinzip der medikamentösen Therapie ist es, das unkontrollierte Wachstum von Krebszellen möglichst dauerhaft zu stoppen. Außerdem sollen die Medikamente verhindern, dass der Krebs seine Zellen über die Blutbahn in andere Organe oder Gewebe streut (Metastasierung), und durch den Tumor verursachte Beschwerden sollen gelindert werden.

Für die medikamentöse Behandlung existieren verschiedene Medikamentengruppen, die an unterschiedlichen Wirkungsmechanismen ansetzen:

Zytostatika (Chemotherapie)

Zytostatika sind die „klassischen" Medikamente, die bei der Chemotherapie eingesetzt werden, um Krebszellen abzutöten. Dabei handelt es sich um Substanzen, die in das Zellwachstum von aktiven, sich teilenden Zellen eingreifen und hemmen. Weil Krebszellen eine erhöhte Zellteilungsrate gegenüber normalen Körperzellen besitzen, wirken diese Medikamente vor allem auf Krebszellen. Doch auch andere, sich teilende Körperzellen werden dabei getroffen.

Wird eine derartige Therapie nach erfolgter Operation durchgeführt, nennt man das adjuvante Chemotherapie. Über 90% der Patientinnen werden auf diese Weise behandelt. Werden Zytostatika bereits vor der Operation eingesetzt, um einen Tumor zu verkleinern, spricht man von neoadjuvanter Chemotherapie. Auch bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs, bei denen bereits Tumorabsiedelungen nachgewiesen sind, kann eine Chemotherapie eine geeignete Behandlungsmaßnahme sein. Dadurch können beispielsweise durch Metastasen verursachte Symptome (Schmerzen, Luftnot, Hauterscheinungen) gelindert werden. Man spricht dann von der palliativen Chemotherapie. Die Chemotherapie ist insbesondere bei den Tumoren die Behandlung der Wahl, die nicht hormonabhängig wachsen.

Die Medikamente werden in mehreren Zyklen verabreicht, dazwischen werden Behandlungspausen eingehalten, um die Nebenwirkungen der Chemotherapie abklingen zu lassen. Die Anzahl der Behandlungszyklen hängt von der Art des Tumors ab und davon, wie gut die Krebszellen auf die Therapie ansprechen. Normalerweise werden vier bis sechs Zyklen über eine Dauer von drei bis sechs Monaten verabreicht. Zytostatika können als Tabletten eingenommen werden, oder sie werden dem Körper mit einer Infusion über die Blutbahn verabreicht. Da die Chemotherapeutika im ganzen Körper wirksam sind, nennt man diese Therapie auch eine „systemische Therapie". Absiedlungen von Tumoren (Metastasen) oder einzelne Krebszellen im ganzen Körper werden bekämpft.

Beinahe alle chemotherapeutisch wirksamen Kombinationen basieren auf fünf Substanzen.

Leider ist die Chemotherapie von verschiedensten Nebenwirkungen und Komplikationen begleitet. Lesen Sie hierfür auch das Kapitel: Komplikationen.

Endokrine Therapie (Hormontherapie)

Bei vielen Krebsarten versucht man heute, das Wachstum mit Hormonen, hormonähnlichen Substanzen oder antihormonellen Wirkstoffen zu verhindern. Eine Hormontherapie ist dann angezeigt, wenn es sich beim Brustkrebs um einen hormonempfindlichen Tumor handelt. In diesem Fall reagieren Tumorzellen auf weibliche Hormone, insbesondere Östrogene, mit vermehrter Teilung und Wachstum, weil sie Rezeptoren für diese Substanzen besitzen. Der so genannte Hormonrezeptorstatus, die Dichte der Hormonrezeptoren auf den Tumorzellen, wird von einem Pathologen, mit Hilfe von molekularbiologischen Tests im Labor, ermittelt. Wenn das Tumorwachstum durch Östrogene gefördert wird, die Krebszelle also Östrogenrezeptoren aufweist, spricht man auch von Hormonrezeptor-positiven Patientinnen.
Frauen, die nach den Wechseljahren an Brustkrebs erkranken, sind häufiger Östrogenrezeptor-positiv, als jüngere Frauen.

Das Grundprinzip der endokrinen Therapie ist es, den wachstumsfördernden Effekt durch körpereigene Östrogene auf Tumorzellen zu unterbinden. Dieses Ziel kann über mehrere Wege erreicht werden. Dabei spielt es eine Rolle, ob die Patientin noch ihre Menstruation hat, oder ob die Wechseljahre bereits eingesetzt haben und die Eierstöcke somit kein Östrogen mehr produzieren. Entweder werden Medikamente eingesetzt, um die Wirkung der Östrogene auszuschalten, oder die Hormonproduzierenden Organe, z. B. die Eierstöcke werden operativ entfernt.

Antiöstrogene

Antiöstrogene sind Medikamente, welche die wachstumsfördernde Wirkung von Östrogen auf die Zelle unterbinden. Die Substanzen besetzen anstelle des natürlichen Östrogens, bestimmte Bindungsstellen, die Östrogenrezeptoren, der Zellen. Daraufhin kann sich kein Östrogen mehr anlagern und das Signal zur Zellteilung durch das körpereigene Hormon bleibt aus. Das Tumorwachstum in der Brust, aber auch in bereits abgesiedelten Metastasen wird dadurch gehemmt. Wegen der besonderen Wirkung in der Brust, werden Antiöstrogene fast nur bei Brustkrebs angewandt. Der wohl bekannteste Vertreter aus der Wirkstoffgruppe der Antiöstrogene ist das Tamoxifen

In anderen Körpergeweben, wie z. B. in der Gebärmutterschleimhaut wirken Antiöstrogene hingegen östrogenähnlich. Das bedeutet, sie verstärken eine östrogene Wirkung, z. B. das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut. Dadurch erhöhen viele Antiöstrogene das Risiko, an Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom) zu erkranken. Sie haben außerdem noch weitere Nebenwirkungen. Patientinnen sollten deshalb regelmäßig Unterleibsuntersuchungen durchführen lassen, und bei Vaginalblutungen außerhalb der Periode rasch den Frauenarzt aufsuchen.

Aromatasehemmer

Aromatasehemmer verhindern die körpereigene Bildung von Östrogen. Sie unterdrücken die Umwandlung eines Östrogen-Vorläufermoleküls zu Östrogenen, indem sie das zuständige Enzym, die Aromatase, blockieren. Die Aromatase kommt in den Eierstöcken, den Muskeln, dem Fettgewebe und auch in den Zellen der Brust vor. Auch Aromatasehemmer sind nicht frei von Nebenwirkungen.

Gestagene

Bei manchen Hormonrezeptor-positiven Patientinnen werden hoch dosierte künstliche Gelbkörperhormone, Gestagene, eingesetzt. Über verschiedene Stoffwechselwege können Gestagene den Östrogenspiegel im Blut absinken lassen. Zudem blockieren sie die Bildung von Östrogenrezeptoren auf Tumorzellen.

Schließlich besetzen künstliche Gestagene auch die Bindungstellen der Tumorzellen für Progesteron, das körpereigenen Gelbkörperhormon. Auch Progesteron kann einen wachstumsfördernden Effekt auf Tumorzellen ausüben. Durch die Einnahme künstlicher Gestagene wird die Wirkung von Progesteron gehemmt.

Weil die Medikamente bei einer Krebserkrankung extrem hoch dosiert werden (ca. 10 bis 100 Mal so hoch wie bei anderen gynäkologischen Erkrankungen), treten leider auch unerwünschte Wirkungen auf.

Ausschaltung der Hormonproduktion der Eierstöcke

Um die Östrogenproduktion bei Patientinnen vor den Wechseljahren zu unterbinden, kann eine Ausschaltung der hormonproduzierenden Eierstöcke sinnvoll sein. Man kann das durch drei unterschiedliche Vorgehensweisen erreichen. Entweder dauerhaft durch Operation oder Bestrahlung, oder vorübergehend mittels bestimmter Medikamente.

Eine operative Entfernung der Eierstöcke (beidseitige Ovarektomie) hat eine permanente Ausschaltung der Östrogenproduktion zur Folge. Patientinnen, die sich diesem Eingriff unterziehen, müssen mit Langzeitnebenwirkungen rechnen, die Wechseljahresbeschwerden gleichkommen.

Dasselbe gilt für Patientinnen, die sich einer bestimmten Strahlenbehandlung (Radiomenolyse) zur Ausschaltung der Eierstöcke unterziehen. Die hochenergetische Röntgenstrahlung bewirkt, dass die Eierstöcke ihre Aktivität dauerhaft einstellen.

Um die Östrogenproduktion nur zeitweise zu unterbinden, können GnRH-Analogaverabreicht werden. Sie ist insbesondere für jüngere Patientinnen die Methode der Wahl. GnRH-Analoga können - zur Steigerung des Östrogenentzugs bei der Brustkrebstherapie - mit weiteren antihormonell wirkenden Medikamenten kombiniert werden. Oft werden ergänzend Antiöstrogene verabreicht. Man spricht bei dieser kombinierten Behandlung von einer „kompletten Östrogenblockade".

Weil für die Dauer der Behandlung quasi künstlich die Wechseljahre herbeigeführt werden, können verschiedene Nebenwirkungen die Folge sein.

Antikörpertherapie (Trastuzumab)

Das Wachstum von Brustkrebszellen kann durch unterschiedliche Faktoren gefördert werden. An so genannte Rezeptoren auf der Oberfläche von Krebszellen können sich bestimmte Substanzen anlagern, wodurch die Zelle das Signal zum Wachstum erhält. Neben dem Einfluss der Östrogene spielen bei bestimmten Brustkrebsformen noch andere Empfängermoleküle, die so genannten HER2-Rezeptoren, eine Rolle. Wird eine Brustkrebserkrankung durch eine zu große Anzahl von HER2-Rezeptoren beeinflusst, werden die Rezeptoren der Krebszellen mit Antikörpern blockiert. Dadurch können die wachstumsfördernden Signale von den Tumorzellen ferngehalten und das Krebswachstum dadurch verhindert oder verlangsamt werden.

Das Präparat mit einem gegen den HER2- Rezeptor gerichteten Antikörper enthält den Wirkstoff Trastuzumab. Es wird vorrangig bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs eingesetzt, die einen hohen HER2-Status aufweisen. Entweder erfolgt die Behandlung alleine mit Trastuzumab oder in Kombination mit einer Chemotherapie.

Man geht heute davon aus, dass in etwa 15 bis 30% der Tumoren eine übermäßige Anzahl der HER2-Rezeptoren vorliegen. Diese Krebserkrankung ist leider oft mit einer schlechteren Prognose verbunden, denn Tumorwachstum und Tumorausbreitung vollziehen sich bei diesen Patientinnen schneller.

Biologische Therapie/Immuntherapie

Das körpereigene Immunsystem ist normalerweise dazu in der Lage, unkontrolliert wuchernde Zellen zu erkennen und zu vernichten. Wenn eine Krebserkrankung ausbricht, ist das auf eine Schwäche des Immunsystems zurückzuführen. Die biologische Therapie oder Immuntherapie versucht, den Körper dazu anzuregen, selbst gegen den Krebs zu kämpfen und die körpereigene Abwehr zu stabilisieren. Die Behandlung erfolgt mit Interferonen oder Interleukinen, also Eiweißmolekülen, die der Körper auch natürlicherweise produziert.

Interferone

Die Bezeichnung Interferone steht für eine Gruppe von Eiweißstoffen, die im Körper von den blutbildenden Zellen im Knochenmark hergestellt werden, um Krankheiterreger zu bekämpfen. Sie werden in drei Untergruppen eingeteilt:

  • Interferon alpha wird von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) gebildet
  • Interferon beta wird von Fibroblasten gebildet
  • Interferon gamma wird von Lymphozyten produziert

Die Präparate werden entweder in die Muskulatur, die Vene oder direkt unter die Haut gespritzt.

Interleukine

Interleukine fördern die körpereigene Abwehr. Sie sollen bestimmte Zellen des Immunsystems, die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), zu Wachstum und Vermehrung anregen, was ihrer natürlichen Funktion im Organismus entspricht. Außerdem aktivieren sie die Immunabwehr, was zur Ausschüttung von Interferon gamma führt.

Meist werden Interleukine nicht alleine eingesetzt, sondern mit anderen Medikamenten, wie Interferonen und vor allem Zytostatika, kombiniert.

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