Frauenärzte im Netz


Brustkrebs

Risikofaktoren & Vorbeugung


Bis heute kann niemand sicher sagen, welche Faktoren Brustkrebs letztlich auslösen können. Es gibt aber einige Umstände, die überdurchschnittlich häufig im Zusammenhang mit Brustkrebs stehen und die Wahrscheinlichkeit für eine Brustkrebserkrankung leicht erhöhen.

Ein wesentlicher Risikofaktor ist das Alter der Frau selbst. Bei etwa einem Drittel der Frauen, die an Brustkrebs erkranken, liegen gleichzeitig mehrere weitere Faktoren vor. Andererseits müssen aber auch Frauen, mit mehreren Risikofaktoren, nicht zwingend an Brustkrebs erkranken.

Alter
Das Risiko nimmt mit jedem Lebensjahrzehnt erheblich zu. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwas über 62 Jahren.

Weibliche Hormone

Man kennt heute eine Reihe von Substanzen, die das Wachstum und die Teilung von Krebszellen im Allgemeinen und speziell von Tumorzellen der Brustdüse (Mammakarzinomzellen) regulieren und beeinflussen. Die Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen beeinflussen nicht nur den Menstruationszyklus, sondern auch die Entwicklung der Brust. Er liegt darin begründet, dass Tumorzellen - wie gesunde Zellen auch - auf ihrer Oberfläche so genannte Rezeptoren besitzen. Das sind bestimmte Eiweiße, welche die Östrogene wie eine Empfangsstation aufnehmen (Schlüssel-Schloss-Prinzip) können. Die Bindung wirkt auf die Zellen wie ein Signal. Die Tumorzellen teilen und vermehren sich dadurch schneller. Man spricht in diesem Fall auch von Zellen, die Östrogenrezeptor-positiv sind, also eine bestimmte Anzahl an Östrogenrezeptoren auf der Zelloberfläche besitzen. Ein Pathologe kann anhand von Gewebeproben diesen so genannten Hormon-Status ermitteln.

Auch Stillen hat einen Einfluss. Die Oberflächenzellen der Milchdrüsen liegen bis zur Geburt des ersten Kindes relativ unbestimmt vor. Erst nach der ersten Geburt bewirkt ein hormoneller Impuls, dass die Milchdrüsenzellen ihre Funktion der Milchproduktion aufnehmen. Bleibt dies auf Grund von Kinderlosigkeit aus, steigt das Risiko, dass diese Zellen in späterer Zeit außer Kontrolle geraten und bösartig entarten.

Beim Einfluss weiblicher Hormone auf Brustkrebs muss man zwischen der

  • körpereigenen zyklischen Hormonproduktion,
  • Hormonen zur Empfängnisverhütung (Pille) und
  • Hormonbehandlung bei Wechseljahresbeschwerden (Hormonersatztherapie) unterscheiden.
Körpereigene Hormonproduktion (Menstruationszyklen)

Generell kann man sagen, dass sich mit der Anzahl der Menstruationszyklen im Leben einer Frau (gerechnet von der ersten Periode bzw. Menarche bis zum Beginn der Wechseljahre), die Dauer der Östrogenwirkung auf das Gewebe und damit auch das Brustkrebsrisiko geringfügig erhöht.

Folgende Umstände, welche im Zusammenhang mit der weiblichen Hormonproduktion stehen, können zu einer mäßigen Erhöhung des Erkrankungsrisikos beitragen:

  • Eintritt der ersten Regelblutung (Menarche) vor dem 11. Lebensjahr
  • Eintritt der Wechseljahre (Menopause) nach dem 54. Lebensjahr
  • Geburt des 1. Kindes nach dem 32. Lebensjahr
  • Kinderlosigkeit
Hormone zur Empfängnisverhütung (orale Kontrazeptiva)

Nach neueren Untersuchungen konnte ein geringfügig erhöhtes Brustkrebsrisiko, durch die Einnahme von östrogen- und gestagenhaltigen Kombinationspräparaten zur Schwangerschaftsverhütung, beobachtet werden. Nach dem Absetzen dieser Präparate nimmt das Risiko in einem Zeitraum von zehn Jahren allmählich wieder ab. Zusätzlich konnte eine leichte Risikoerhöhung für Leberzell- und Gebärmutterhalskrebs ermittelt werden.
Umgekehrt steht diesen Risiken aber eine schützende Wirkung auf Tumorerkrankungen des Gebärmutterkörpers und der Eierstöcke gegenüber. Anwenderinnen einer östrogen- und gestagenhaltigen „Pille" wird empfohlen die Risiken und Vorteile mit dem behandelnden Frauenarzt sorgfältig zu besprechen.

Hormone bei Wechseljahresbeschwerden (Hormonersatztherapie)

Viele Frauen interessieren sich vor der Entscheidung für eine Hormonersatztherapie vor allem für das Brustkrebsrisiko. Bisherige Untersuchungen zeigen, dass durch eine Hormonersatztherapie das Brustkrebsrisiko geringfügig erhöht werden kann. Fest steht aber, die Hormonersatztherapie verursacht keinen Brustkrebs. Falls jedoch bereits unentdeckte Brustkrebszellen im Gewebe vorhanden sind, können diese unter bestimmten Umständen durch die Hormonersatztherapie zum Wachstum angeregt werden. Das bedeutet, dass bei 1.000 Frauen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren durch eine mehr als 5-jährige Hormonersatztherapie zwei zusätzliche Brutkrebsdiagnosen gefunden werden. Bei mehr als 10-jähriger Therapie wären es sechs zusätzliche Fälle.

Die Empfehlungen lauten dahingehend, dass eine Anwendung von Hormonen nur bei Wechseljahresbeschwerden erfolgen soll, welche Krankheitswert besitzen und/oder die Lebensqualität nachhaltig einschränken. Die Behandlung sollte in möglichst geringer Dosierung über den individuell notwendigen Zeitraum erfolgen.

Genetische Vorbelastung

Brustkrebs gehört zu den Krebserkrankungen, die in manchen Familien gehäuft vorkommen. Das Auftreten so genannter „Brustkrebsfamilien" lieferte schon früh Hinweise auf eine Beteiligung genetischer Faktoren bei der Entstehung von Brustkrebs. Man geht heute davon aus, dass etwa 4 bis 9% aller Brustkrebsfälle erblich bedingt sind. Die wichtigsten Gene im Zusammenhang mit Brustkrebs sind die so genannten Brustkrebs-Risiko-Gene (Breast Cancer Gene 1 und 2, abgekürzt BRCA1, BRCA2). Liegt eine Mutation des BRCA1-Gens vor, dann ist gleichzeitig auch das Risiko für Eierstockkrebs erhöht.

Etwa eine von 800 Frauen ist Trägerin einer Genveränderung am BRCA1-Gen. Die Brustkrebs-Risiko-Gene werden mit einer 50% Wahrscheinlichkeit von der Mutter, aber auch vom Vater an Söhne und Töchter weitergegeben. Betroffene Frauen („Risiko-Frauen") müssen nicht zwangsläufig an einem Mammakarzinom erkranken, aber ihr Risiko dafür ist erhöht.

Wenn nachfolgende Situationen vorliegen, besteht ein verstärkter Verdacht, dass innerhalb der Familie ein Risikogen vererbt wird:

  • in der Familie sind mindestens zwei verwandte Frauen 1. Grades (Mutter, Schwester) an Brust- und/oder Eierstockkrebs erkrankt und zumindest bei einer von beiden ist die Erkrankung vor dem 50. Lebensjahr aufgetreten
  • eine Frau in der Familie hat Brust- und Eierstockkrebs, und eine Erkrankung trat im Alter von 40 Jahren oder früher auf
  • eine Frau erkrankt an Krebs in beiden Brüsten
  • eine Frau entwickelt im Alter von weniger als 40 Jahren Eierstockkrebs,
  • ein männlicher Verwandter hat Brustkrebs

Auch wenn das Risiko für Frauen in solchen Familien größer ist, bedeutet es aber nicht, dass sie tatsächlich erkranken müssen. Sind weiter entfernte Verwandte von Brustkrebs betroffen, wie Großmutter, Cousine oder Tante, ist keine Risikoerhöhung gegeben.

Beratungsangebote für Mitglieder aus „Risikofamilien"

Für Mitglieder aus Familien mit verstärktem Verdacht auf, bzw. dem Nachweis einer ererbten Veranlagung für Brustkrebs wurden bundesweit spezielle Beratungszentren eingerichtet. In den 12 Zentren arbeiten Onkologen, Human- und Molekulargenetiker und Psychologen eng zusammen.
Hintergrund dieser Einrichtungen ist die Möglichkeit, Veränderungen der BRCA1 und BRCA2-Gene mit Hilfe eines Gen-Tests (Blutprobe) nachzuweisen und Risikopatientinnen für Brust- und Eierstockkrebs besser zu betreuen.

In intensiven Beratungsgesprächen wird, unter Betrachtung der familiären Krankengeschichte, das individuelle Risiko der Patientin abgeschätzt. Bei Bedarf erfolgt der Gen-Test. Wenn sich der Verdacht diagnostisch bestätigt, d. h. veränderte BRCA-Gene vorliegen, folgen eine umfassende Beratung und engmaschige Früherkennungsuntersuchungen. Da das Wissen um veränderte Brustkrebsgene eine erhebliche seelische Belastung darstellt, steht der betroffenen Person auch eine psychologische Begleitung zur Seite.

Wenn Sie glauben zu einer Hochrisikofamilie zu gehören, können Sie sich an ein Brustkrebs-Zentrum in Ihrer Nähe wenden. Ausführliche Informationen über familiären Brust- und Eierstockkrebs erhalten Sie bei der Deutschen Krebshilfe

Auch stellt das BRCA-Netzwerk e.V. Informationen rund um das Thema, Erfahrungsberichte, Tipps und Möglichkeiten zum Austausch mit betroffenen Frauen aus Perspektive der Selbsthilfe zur Verfügung.

Ernährung und Lebensstil

Körpergewicht
Fettreiche Ernährungsgewohnheiten sind ein relevanter Faktor für nahrungsabhängige Krebserkrankungen (Speiseröhre, Magen, Darm) und andere Erkrankungen, wie Herz- Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Bei Krebserkrankungen der Brust ist die Ernährung vor allem deswegen wichtig, weil sie Einfluss auf die körpereigene Hormonproduktion nimmt.

Übergewicht in der Kindheit und Jugend begünstigt vermutlich die Entwicklung von Brustkrebs. Der übermäßige Verzehr kalorienreicher Nahrungsmittel bei gleichzeitig geringer körperlicher Aktivität kann zu einem hohen Körpergewicht und einem hohen Körperfettanteil führen. Das verursacht wiederum ein frühzeitiges Einsetzen der Östrogenproduktion des Körpers und einen frühen Eintritt der ersten Regelblutung (Menarche). Je früher die erste Periode einsetzt, desto mehr Jahre mit zyklischer Hormonproduktion hat eine Frau und mit der Anzahl der Menstruationszyklen erhöht sich auch das Brustkrebsrisiko, wenn auch nur mäßig.

Auch Übergewicht nach dem Eintritt der Wechseljahre (eine Gewichtseinstellung über dem BMI  von 30) ist mit einer leichten Erhöhung des Brustkrebsrisikos verbunden. Dagegen ist Normalgewicht in Kindheit- und Jugend, wie auch bei erwachsenen Frauen, als risikosenkend anzusehen.

Alkoholkonsum

Übermäßiger Alkoholkonsum fördert in gewissem Umfang das Brustkrebsrisiko, was wahrscheinlich mit einer Erhöhung des Östrogenspiegels im Blut zu erklären ist. Tritt gleichzeitig Folsäuremangel auf (Gemüsemangelernährung z. B. zu wenig Kohlsorten, Soja, Tomaten, grüne Gemüse etc.), verstärkt das den negativen Einfluss von Alkohol, denn Folsäure ist wichtig für die Stabilität der DNA.

Rauchen

Für Frauen, die bereits vor ihrem 16. Lebensjahr rauchten, ist das Risiko für Brustkrebs möglicherweise erhöht. Tabakgenuss nach der Pubertät ist wahrscheinlich kein relevanter Brustkrebsrisikofaktor. Mit dem Konsum von Tabak sind aber prinzipiell die meisten Krebserkrankungen assoziiert - wer das Rauchen aufgibt, verringert dementsprechend das Risiko ernsthafter Erkrankungen.

Körperliche Aktivität

Bewegung und Sport mit körpergerechter Intensität senken wahrscheinlich das Risiko für Brustkrebserkrankungen. Körperliche Aktivität verbessert die Energiebilanz - Kalorienverbrauch im Verhältnis zur Kalorienaufnahme - und reduziert somit das Risiko verschiedener Erkrankungen. Regelmäßige körperliche Aktivität und Sport haben generell einen sehr guten Einfluss auf die Gesundheit, da sie das Immunsystem unterstützen.

Umweltfaktoren

Ionisierende Strahlung (z. B. radioaktive Strahlung oder Röntgenstrahlung) kann generell zu Krebserkrankungen strahlungsempfindlicher Gewebe führen, auch zu Brustkrebs. Hierzulande tritt ionisierende Strahlung in der Regel nur im Zusammenhang mit medizinischen Untersuchungen auf.

Da das Brustdrüsengewebe zu den besonders strahlungssensiblen Geweben des Körpers gehört, sollten Bestrahlungen (Röntgenuntersuchungen der Hals- und Brustwirbelsäule, Speiseröhren-, Magen-Darm-Röntgen, Nierenröntgen, computertomografische und nuklearmedizinische Untersuchungen) soweit wie möglich vermieden werden.

Eine Erhöhung des Brustkrebsrisikos durch ionisierende Strahlung konnte insbesondere vor und während der Pubertät und vor einer ersten, voll ausgetragenen Schwangerschaft beobachtet werden. Mit zunehmendem Alter einer Frau nimmt die Strahlungsempfindlichkeit der Brust ab.

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