Anti-Aging
Eine Frage des Lebensstils
Wer das Tempo seiner Lebensuhr verlangsamen möchte, muss vor allem selbst aktiv werden und neue Akzente für die eigene Lebensführung setzen.
Altern beginnt dort, wo auch das Leben seinen Anfang nimmt - auf der Ebene der Zellen. Und diese lassen sich schützen, indem so weit als möglich ausgeschaltet wird, was ihnen am meisten zusetzt: die freien Sauerstoffradikale. Denn die machen unserem Körper ziemlichen Stress: Schädigen Körperzellen und Gene, sind an der Entstehung zahlloser Krankheiten und maßgeblich am Alterungsprozess beteiligt. Unter anderem lassen sie die Telomere schneller schwinden und aktivieren „Gerontogene": Genabschnitte auf den Chromosomen, die Abbauprozesse beschleunigen. Antioxidantien können dem schädlichen oxidativen Treiben Einhalt gebieten, da sie die Entstehung freier Radikale verhindern, indem sie freien Sauerstoff an sich binden. Die wirksamsten dieser Radikalfänger sind die Vitamine C und E sowie Beta-Karotin - das Triumvirat wider die freien Radikale. Diese „Anti-Alterungs-Vitamine" lassen auch jünger aussehen, denn sie regen die Bildung neuer Hautzellen an, straffen das Bindegewebe und mindern Falten. Das ist der Grund, weshalb sie zuhauf in die Cremetöpfe für die Haut ab 35 wandern. Dort sind sie jedoch wenig nützlich, da sie nachgewiesenermaßen nicht durch die Haut diffundieren. Potente Widersacher gegen freie Radikale sind auch Selen, Zink, Co-Enzym Q 10 sowie sekundäre Pflanzenstoffe; pflanzeneigene Farb-, Duft- und Aromastoffe sowie Hormone.
In den Genuss der genannten Jungbrunnen lässt es sich einfach und angenehm durch Messer und Gabel kommen: Mit Nahrungsmitteln, die reich an Antioxidanzien sind und die Abwehrkräfte stärken.
Keine Binsenweisheit, sondern wissenschaftlich erwiesener Fakt. Regelmäßige Bewegung wirkt wie ein Jungbrunnen, denn sie fördert die körpereigene Produktion von Antioxidanzien, baut freie Radikale ab und stärkt das Immunsystem. Pro Woche 1500 Kilokalorien durch Sport zu verbrennen sind optimal: beispielsweise durch 2, 5 Stunden Joggen, 2 Stunden Schwimmen oder 3 Stunden Radfahren.
Jugendlichkeit ist eine Frage der inneren Einstellung. Altbekannt und nunmehr erwiesen: wer im Herzen und im Geist jung bleibt, altert langsamer, als der, der sich selbst zum „alten Eisen" zählt.
Stressreduzierung und ausreichend Schlaf lassen die biologische Uhr ebenfalls langsamer ticken. Dauerhafte psychische und körperliche Überlastung kann Schätzungen nach bis zu acht Jahre Lebenszeit kosten. Optimal sind zwischen 6 und 8 Stunden Schlaf - wer mehr als 9 oder weniger als 5 Stunden in der Traumwelt verweilt erhöht sein Risiko für Herzerkrankungen deutlich.
Neben diesen Eigeninitiativen zur Verlangsamung des Alterungsprozesses bieten sich Strategien von ärztlicher Seite an. Wie unter anderem Tests zur Bestimmung des biologischen Alters - was keinesfalls gleichbedeutend mit dem ist, das im Pass steht. Anhand bestimmter körperlicher Funktionen, so genannter „Biomarker des Alterns", lässt sich feststellen, wie alt unser Körper tatsächlich ist. Die meisten Anti-Aging-Institute bieten heute solche Tests an. Dabei werden umfangreiche Blut-, Urin und Speicheltests sowie Messungen der Knochendichte vorgenommen, um das Risiko für Osteoporose festzustellen. Aus vielen Puzzlestücken ergibt sich dann der „Alters-Status quo": die augenblickliche körperliche und geistige Vitalität. Aus den Testergebnissen lassen sich etwaige Mängel an Vitaminen und Vitalstoffen, Hormonen sowie das Ausmaß der oxidativen Belastung durch freie Radikale exakt ersehen. Dies schafft die Basis, gezielt und im besten Fall bereits vorbeugend in vorzeitige Abbau- und Alterungsprozesse einzugreifen. Denn dem Körper seine Gesundheitsbausteine frei nach dem Gießkannenprinzip zuzuführen, ist ebenso sinnlos wie gefährlich - besonders im Fall von Hormonen. Daher sollte man sich en detail unter die Lupe nehmen lassen, um genau das ersetzen zu können, was dem Körper auch tatsächlich fehlt.
Zum Ausgleich der festgestellten Defizite gibt es Tabletten oder Pillen mit den fehlenden Antioxidantien, Vitaminen und anderen Vitalstoffen. Bei der Hormonersatztherapie werden die mit dem Alter absinkenden Hormonspiegel via Pille, Gel, Pflaster oder Spritze wieder auf bewährte Pegel angehoben. Dass die nachlassende Produktion unserer Botenstoffe als eine der Hauptverantwortlichen im Altersprozess zeichnet, ist unbestritten: Hormone, vor allem die weiblichen und männlichen Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron, wirken vitalisierend und der Bildung von freien Radikalen entgegen. Dem natürlichen Limit mittels Hormonen ein Schnippchen zu schlagen, ist also nicht aus der Luft gegriffen. Zum Beispiel reduziert der bei Mangelsymptomen unverzüglich durchgeführte Östrogenersatz das Risiko des Auftretens von Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall, Osteoporose, Schleimhautschwund, Haarausfall, Depressionen und anderer mangelbedingter Erkrankungen. Mediziner warnen aber vor selbstgemixten Hormoncocktails. Umso mehr, falls deren Zutaten von dubiosen Quellen aus dem Internet bezogen wurden. Unkontrolliert und überdosiert eingenommen, können Hormone unter anderem ein erhöhtes Krebsrisiko bewirken - damit genau das Gegenteil dessen, was erwünscht ist. Wer wegen Mangelerscheinungen eine Hormonersatztherapie benötigt, sollte sich dazu in jedem Fall nur in die Hände eines erfahrenen Gynäkologen begeben. Ärztlich verordnete Botenstoffe, die als Gele oder Salben auf die Haut aufgetragen werden, z. B. Testosteron gegen Cellulite an den Oberschenkeln, Östrogen gegen Falten am Hals, gehen immer auch ins Blut über, und wirken daher mehr oder weniger auch im gesamten Organismus.





